Wie ein halbes Haus verschwindet

Passanten der Zwickauer Peter-Breuer-Straße werden immer wieder Zeugen spektakulärer Bauarbeiten. Nachdem eine Fassade ein Stahlkorsett erhielt, wird jetzt das Haus daneben teilweise abgebrochen.

Zwickau.

Der Teilabriss des Hauses neben der denkmalgeschützten Fassade der früheren Druckerei Förster & Borries hat gestern viele neugierige Blicke von Passanten auf sich gezogen. Unter Anleitung eines rechts neben der Baggerschaufel im Gebäude agierenden Arbeiters riss der Baggerfahrer, der sich mit seiner Maschine ebenfalls im Inneren des Hauses befand, fachmännisch Stück für Stück die Wand ab.

Bei dem eher unscheinbaren Gebäude handelt es sich um ein mehrfach überbautes Priesterhaus aus dem 16. Jahrhundert. "Es wird nicht ganz abgebrochen. Erdgeschoss und mittelalterlicher Gewölbekeller bleiben erhalten. Das Haus wird dann wieder aufgestockt und mit in den Neubau des Hochtechnologiezentrums integriert", sagt Heike Krenkel, Leiterin der Zwickauer Niederlassung des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilienmanagement (SIB).


Das Hochtechnologiezentrum entsteht für die Westsächsische Hochschule Zwickau auf insgesamt 2600 Quadratmetern auf dem Terrain hinter der 139 Jahre alten, roten Klinkerfassade, die auf einer Stahlkonstruktion steht, die mit zwölf etwa zehn Meter tiefen Bohrpfählen in der Straße gesichert ist. Im hinteren Teil des Grundstücks haben im März und April Grabungen stattgefunden. Dabei ist überraschenderweise sogar noch ein Stück der alten Stadtmauer gefunden worden.

Das Untergeschoss des Hochtechnologiezentrums wird völlig schwingungsentkoppelt gebaut. Es wird auf einem Kiesbett liegen und darf keine starren Verbindungen zu den Außenwänden haben. Heike Krenkel berichtet, dass der Neubau mit Laboren für Vakuum-, Röntgen- und Plasmatechnologie Ende 2020 fertig sein soll. Gegenwärtig liege man mit den Arbeiten im Plan, freut sich die Niederlassungsleiterin. Vorgesehen sind für das Projekt 40 Millionen Euro, 37 Millionen davon fließen als Fördergeld.

Die Peter-Breuer-Straße war zu Jahresbeginn gut fünf Monate in Höhe "Brauhaus" sperrt. In diesem Zeitraum wurde nicht nur das Stahlkorsett installiert. Vorher hatten noch Wasser-, Abwasser- und Gasleitungen sowie Stromkabel in der Straße gesichert werden müssen. Nach der Erneuerung der Oberfläche ist die Peter-Breuer-Straße seit dem 7. Juni wieder befahrbar.

Der etwa 40 Meter lange Abschnitt kann jetzt wechselseitig genutzt werden, wobei Fahrzeuge aus Richtung Kornmarkt Vorfahrt haben. Betonleitplanken schützen auf der einen Seite die Stahlkonstruktion, auf der anderen sind hinter der Bretterwand ausgegossene Betonschachtringe zum Schutz angebracht worden.

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