Wilkau-Haßlau: Konzept für Radverkehr fehlt bisher völlig

Radwege suchen Radler in der Stadt vergebens. Selbst beim Bau der Hochwasserschutzmauer entstand kein Schutzstreifen.

Wilkau-Haßlau.

Ein Unfall an der Schneeberger Straße in Wilkau-Haßlau: Zusammengestoßen waren jedoch nicht zwei Autos auf der Fahrbahn, sondern zwei Radfahrer auf dem Gehweg. Freilich hatten die Radler dort nichts zu suchen. Sie hätten die Straße nutzen müssen. Zumal der Unfallverursacher mit einem Handy abgelenkt war und auch noch 1,3 Promille Alkohol im Blut hatte. Hätte ein Radweg den Unfall verhindert? Wahrscheinlich nicht.

Tatsächlich jedoch sind Radwege in Wilkau-Haßlau nicht nur selten, es gibt sie nicht. Selbst der Mulderadweg, der laut Beschilderung bis nach Aue führt, endet am Cainsdorfer Bahnhof und wird erst wieder nach dem Wilkau-Haßlauer Stadtgebiet zu einem ordentlichen Radweg. Bürgermeister Stefan Feustel (CDU) kennt die Defizite. "Wir haben leider keine Radwege im Stadtgebiet", sagte er. Auch ein Radverkehrskonzept gibt es nicht. Zumindest das soll sich ändern. "Wir werden im neuen Stadtrat über das Thema reden müssen", sagte er. "Wegen der topografischen Lage vieler Straßen ist es nicht immer möglich, Radwege zu schaffen", sagte Feustel. Doch auch bei Straßensanierungen wurden Radwege vernachlässigt. Die Stadträte haben zwar stets zugestimmt, Schutzstreifen hat jedoch keiner öffentlich gefordert.


Dass es auch anders geht, zeigt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, das im kommenden Jahr mit dem Bau der S 277 zwischen Wilkau-Haßlau und Kirchberg beginnen will. "Die Planungen für Radwege sind da enthalten", sagte Feustel. Der Stadtchef kann sich vorstellen, die schlecht ausgebaute Straße zwischen dem Ortsteil Haara und Silberstraße für Radler herzurichten und an das überregionale Radwegenetz anzubinden. Gebremst wird er von anderen Baumaßnahmen. "Wenn die Brücke in Silberstraße gebaut wird, wird das zur Umleitung erklärt", weiß Feustel.

Am meisten fällt das Fehlen des Radweges an der viel befahrenen B93 ins Gewicht. Entlang der Hochwasserschutzmauer hätte es fast einen Schutzstreifen gegeben. Doch der ging im Kompetenzgerangel zweier Landesbehörden unter. Die Landestalsperrenverwaltung darf keine Radweg bauen, das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wollte keinen bauen. Außerdem hätten dazu weitere Grundstücke von Anliegern gekauft werden müssen. Wie Stefan Feustel sagte, hätten die das Ansinnen jedoch abgelehnt.

Der Vorsitzende der Ratsfraktion Die Linke/Dorfclub/Grüne, Hans-Günter Wilhelm, sieht dringenden Handlungsbedarf. "Das Thema muss im Stadtrat auf den Tisch", fordert er. Da es inzwischen kaum noch Geschäfte an der Schneeberger Straße gäbe, müsse darüber nachgedacht werden, den Parkstreifen zum Radweg zu machen. "Vielleicht lassen sich Parkplätze auf der anderen Seite einordnen", sagte er. Er geht davon aus, dass mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen, wenn dafür entsprechend sichere Wege geschaffen werden.

Das sieht man beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) genauso. Dessen Ortsgruppe Zwickau hatte im April eine Liste mit neun Punkten erstellt, die die ADFC-Chefin und neue Stadträtin Ute Gubick (Grüne) der Verwaltung übergeben will. "Einiges ist schnell und mit geringem Aufwand umsetzbar", sagte sie. Neben Radwegen auf den Muldebrücken stehen darauf eine Bike- und Ride-Anlage am Bahnhof und ein Radweg an der B 93.

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