Wilkau-Haßlau verliert Hausärzte

Noch praktizieren in der Stadt acht Allgemeinmediziner. In den nächsten Jahren könnten es deutlich weniger werden.

Wilkau-Haßlau.

An lange Wartezeiten in den Praxen der Allgemeinmediziner in Wilkau-Haßlau haben sich die Patienten inzwischen gewöhnt. "Wenn es ein paar mehr Ärzte in der Stadt gäbe, wäre das alles ganz anders", brachte Elfriede Breier ihre Sicht der Dinge auf den Punkt. Die Rentnerin kann sich nach eigenen Angaben noch an Zeiten erinnern, als die Wartezimmer höchstens halb so voll waren. "Warum kommen denn keine neuen Ärzte?", fragt sie. Immerhin gebe es Artpraxen, die leer stehen.

Neuansiedlungen sind derzeit offenbar ein Problem. Mehr noch: In den kommenden Jahren könnte sich die Zahl der niedergelassenen Ärzte verringern. Zum Jahreswechsel verlegt eine Ärztin ihre Praxis nach Friedrichsgrün, zwei weitere Hausärzte haben das Rentenalter bereits deutlich überschritten. Sie werden irgendwann über den Ruhestand nachdenken.

Laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen (KVS) liegt das Durchschnittsalter der in der Stadt niedergelassenen Hausärzte bei 59 Jahren. Da sind, sofern sich kein Nachfolger findet, weitere Praxisschließungen nicht ausgeschlossen.

Nach Angaben der KVS praktizieren derzeit in Wilkau-Haßlau acht Allgemeinmediziner. Ob das für die Stadt ausreichend ist oder nicht, dazu wollte sich Pressesprecherin Katharina Bachmann-Bux nicht äußern. Die Ärzteaufsicht rechnet in Planungsbereichen. Rund um die Kreisstadt Zwickau umfasst dieser Bereich 150.000 Menschen. Allerdings, so räumt die KVS ein, fehlen in dem Gebiet insgesamt 18 Allgemeinmediziner. "Wir haben dort derzeit einen Versorgungsgrad bei den Hausärzten von 91,4 Prozent", sagte Bachmann-Bux. Damit würden sich die Probleme im Planungsbereich Zwickau nicht grundlegend von denen anderer Landkreise und Regionen unterscheiden. "Die Besetzung von Praxen ausscheidender Vertragsärzte gestaltet sich bundesweit insbesondere bei den Hausärzten zunehmend schwieriger", sagte Bachmann-Bux

Die drohende Unterversorgung wurde vom Landesauschuss der Ärzte und Krankenkassen bereits im Sommer 2017 festgestellt. Wie die KVS-Sprecherin sagte, werden daher ab 1. Oktober Fördermaßnahmen für die Übernahme von Praxen, Neuansiedlungen sowie die Anstellung eines weiteren Arztes angeboten. Unter anderem steht eine Pauschale von 60.000 Euro für jeden Arzt zur Verfügung, der sich in der Region niederlassen will. Ob einer davon Wilkau-Haßlau anstrebt, ist offen. Denn die Förderung ist an den Planungsbereich gebunden, aber nicht an einen bestimmten Ort.

Im Rathaus von Wilkau-Haßlau beobachtet man die Entwicklung mit Sorge. "Es ist sehr ärgerlich, dass die Ärztin nach Friedrichsgrün umzieht", sagte Bürgermeister Stefan Feustel (CDU). Das Problem bei den älteren Ärzten: Sie können jederzeit auch kurzfristig ihren Praxisbetrieb einstellen. Inzwischen wurde ein Plan entwickelt. "Mit Baugrundstücken oder Immobilien, die erst ausgebaut werden müssen, lockt man keinen Arzt mehr an", sagte Feustel. In Zusammenarbeit mit der stadt- eigenen Wohnungsgesellschaft sollen Interessenten moderne bezugsfähige Praxen angeboten werden. Feustel kann sich auch vorstellen, ein kleines medizinisches Versorgungszentrum entstehen zu lassen. Er ist auch bereit, Ärzten finanziell entgegenzukommen. Über eine symbolische Miete in den ersten Jahren könne gesprochen werden.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...