Willkommen in der Apotheke

Grüner wird's nicht: Entlang der Mulde und an den Deichen findet man zahlreiche Pflanzen, die es in sich haben. Einige von ihnen werden schon seit Langem genutzt.

Zwickau.

Na, wie geht's? Alles im grünen Bereich oder zwickt's irgendwo? Haben Sie Rheuma in den Gelenken, juckende Insektenstiche, Kaffeedurst oder gar Blattläuse an Ihren Pflanzen? Ihnen kann geholfen werden: Theoretisch reicht dazu ein Spaziergang ans Muldeparadies.

Natürlich tut einem eingefleischten Städter eine Tour ins Grüne immer gut. Und jetzt, wo sich auch die Rasenflächen nach der trockenen Zeit wieder einigermaßen erholt haben, kann ein Stündchen zwischen Stadt und Mulde eine regelrechte Erfrischung für Körper und Seele sein. Wer am Ufer und an den Deichen jedoch genauer hinschaut - und sich in der Pflanzenwelt etwas auskennt -, der findet auch viel Nützliches, das dort grünt und sprießt.


Die meisten kennen sie aus eher schmerzlicher Erfahrung: Die Große Brennnessel wächst überall am Ufer entlang. Diese Pflanze kann jedoch weit mehr als nur lästig juckende Quaddeln auf der Haut zu erzeugen. Unter Gärtnern hat die Nessel einen gewissen Ruf in Sachen Pflanzenschutz. Gegen Blattläuse wird Brennnesselbrühe eingesetzt: Dazu die Stengel zerschneiden, zwölf Stunden in Wasser einlegen und mit diesem dann die betroffenen Pflanzen von oben bis unten besprühen. Nessel-Jauche muss mindestens zehn bis 20 Tage in einem Eimer gären und dabei täglich umgerührt werden. Gegen den entstehenden Gestank soll Steinmehl helfen. Bildet sich kein Schaum mehr, verwendet man den Sud als Dünger.

Die jungen Blätter ergeben im Frühjahr einen feinen Salat, auch als Suppeneinlage taugt das Grün. Ebenso als Pesto: Werden die Blätter püriert oder im Mörser zerkleinert, werden auch die feinen, mit Kiesel- und Ameisensäure gefüllten Härchen zerstört, die für das Brennen verantwortlich sind. Als Tee taugt die Nessel gegen beginnende Harnwegsinfekte. Zu Pfarrer Kneips Zeiten ließen sich Menschen gar mit den Pflanzen auspeitschen, um sich vom Rheuma befreien zu lassen.

Weit freundlicher zur Haut ist die Nachtkerze. Die markante Pflanze mit den leuchtend gelben Blüten fühlt sich ebenfalls am Ufer wohl. Seit rund 400 Jahren verbreiten sich die eigentlichen Nordamerikaner auch mit zahlreichen, sehr unterschiedlich blühenden Arten in Europa. Das Öl dieser Pflanzen wird sowohl zur äußerlichen als auch zur innerlichen Anwendung empfohlen. Es enthält einen großen Anteil an Omega-6-Fettsäuren sowie Vita- minE und soll Haut und Nägel von innen und von außen stärken. Dabei gibt es aber auch Hinweise darauf, dass nicht jeder das Öl gut verträgt, wenn er es zu sich nimmt. Als äußerliche Hautpflege wird das Öl auch in teuren Kosmetikprodukten verwendet. Preiswerter und einfacher ist es, trockene, schuppige oder von Akne geplagte Haut mit dem kalt gepressten puren Öl zu behandeln.

Ebenfalls mit einer gewissen Vorsicht ist der Stumpfblättrige Ampfer zu behandeln, den man derzeit an den dunklen Fruchtständen erkennt. Die Blätter können in Kräutermischungen verwendet oder in Salzwasser ausgekocht werden. Allerdings enthalten sie - ähnlich wie Rhabarber - viel Oxalsäure. Das bedeutet, dass sie nicht in großen Mengen roh verzehrt werden sollten. Das kann zu Mangelerscheinungen im Kalzium-Haushalt führen. Auch für Tiere ist der Ampfer nicht wirklich geeignet. Es sei denn, es geht um Insekten. Für einige Falter-Arten bilden die Blätter eine wichtige Nahrungsgrundlage, die ihnen andernorts immer mehr entzogen wird. In früheren Zeiten wurden Ampferblätter zur Kühlung der Haut verwendet - beispielsweise bei Insektenstichen. In der Volksmedizin wird zudem beschrieben, dass frische, gekühlte Ampferblätter auf die Wange zu legen sind, wenn ein Zahn gezogen wurde.

Ist das Zahnweh verschwunden, kann man sich einen Kaffee gönnen. Oder alternativ einen Muckefuck. Der Ersatzkaffee wird aus den Wurzeln der Gemeinen Wegwarte gewonnen, auch bekannt als Zichorie. Deren Blätter gibt es auch als Beimischungen in Tees zur Linderung von Beschwerden in Magen, Leber und Galle. Da die Pflanze viele Bitterstoffe enthält, soll sie gegen Appetit- losigkeit helfen und die Verdauung regulieren. Übrigens: Als Zuchtformen aus der Wegwarte entstanden sind einige für ihre Bitterkeit geschätzten Salate wie Radiccio, Endivie oder Chicoree.

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