"Wir sind Welterbe!"

Die Montanregion hat es geschafft: Sie wurde als weltweit besonders eingestuft. Zwei der 22 Bestandteile liegen in Hartmannsdorf. Am Engländerstolln kam es spontan zu einem Treffen.

Hartmannsdorf.

Höchst selten hat Kerstin Nicolaus, Bürgermeisterin von Hartmannsdorf und CDU-Landtagsabgeordnete, eine Nachricht auf dem Handy derart verzückt. "Wir saßen am Samstag wie auf heißen Kohlen, bis endlich die Nachricht auf dem Handy aufleuchtete", sagte sie. "Wir sind Welterbe", habe ihr Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) geschrieben. Nicolaus brach in Jubel aus. "Ich freue mich. Die jahrzehntelange Arbeit, auch von vielen Ehrenamtlichen, hat sich gelohnt und schweißt die Region noch enger zusammen", sagt sie. Das kleine Dorf am Rande des Landkreises Zwickau zeigte sich nicht unvorbereitet. Die Hartmannsdorfer hatten bereits Ortseingangsschilder anfertigen lassen mit der Aufschrift "Wir sind Welterbe".

Eine spontane Feier gab es auch im Verein "Glück auf! Hartmannsdorf". Vereinsvorsitzender und Ratsmitglied Christfried Nicolaus (CDU) sagte am Samstag: "Wir sind überglücklich. Endlich hat es geklappt, das sächsische und böhmische Erzgebirge hat den Unesco-Welterbe- titel mehr als verdient." Für den Verein bringe das nun große Aufgaben: "Wir wollen die Begeisterung des Moments in einen Langzeiteffekt wandeln und den Hohen Forst Hartmannsdorf und den Filzteich im Bewusstsein unserer Leute hier verankern. Jeder kann so ein Botschafter für das Welterbe und unser Erzgebirge sein", so Nicolaus. Aber nicht nur in Hartmannsdorf war die Begeisterung groß. Auch Kirchbergs Bürgermeisterin Dorothee Obst (Freie Wähler) hatte per Smartphone den Internet-Liveticker der Sitzung des Welterbekomitees verfolgt. Und Langenweißbachs Bürgermeister Jens Wächtler (Unabhängige Wählervereinigung) wartete genauso gespannt auf die Entscheidung, die schließlich 14.39 Uhr deutscher Zeit verkündet wurde, sagte Katrin Uhlig, Sprecherin der Stadt Kirchberg. Am Sonntagvormittag kamen dann spontan Vertreter der drei Gemeinden Kirchberg, Hartmannsdorf und Langenweißbach sowie Mitglieder der Naturschutzbund-Ortsgruppe "Kirchberger Natur- und Heimatfreunde" zu einer kleinen Feier am Huthaus "Engländerstolln" zusammen.


Das Unesco-Welterbekomitee hatte am Samstag in Baku den Welterbetitel-Antrag der "Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí" positiv beschieden. Das historische Bergbaugebiet in Sachsen und Böhmen sei von universellem Wert, erklärte das Unesco-Komitee. Delegierte sprachen von einem "Meisterwerk menschlicher Kreativität". Die Montanregion warb mit 22 Bestandteilen um den Titel, zwei davon liegen auf Hartmannsdorfer Flur: der Filzteich und das Waldgebiet Hoher Forst.

Der Filzteich wurde ab 1483 zur Versorgung der technischen Anlagen des Bergbaus mit Wasser angelegt. Der Hohe Forst ist eine der ältesten und am besten erhaltenen Bergbaulandschaften des Erzgebirges. Bereits ab 1306 begann dort der Abbau von Silber-, später von Kupfer- erzen. Heute zeugt das montan- archäologische Bergbaudenkmal mit seinen zahlreichen Relikten in Form von Halden und Pingen von der wechselvollen Geschichte dieses Bergbaustandortes. (mit ja)

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