"Wir sollten Spielräume großzügig ausnutzen"

Der wiedergewählte Verbandschef der Kleingärtner im Landkreis Henry Meckl über die Anwendung des Kleingartengesetzes

Cainsdorf.

Henry Meckl wurde auf der Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes der Kleingärtner Zwickau-Land am Sonnabend in Cainsdorf für weitere vier Jahre als Vorsitzender bestätigt. Andreas Wohland hat mit ihm gesprochen.

Freie Presse: Viele Kleingartenvereine klagen über zunehmende Leerstände in ihren Anlagen. Wie ist die Situation im Landkreis?


Henry Meckl: Nicht gerade prickelnd, was uns aber nicht dazu verleiten darf, den Kopf in den Sand zu stecken. Dem Verband gehören mit Beginn des kommenden Jahres noch 66 Vereine an. Pro Jahr geht die Anzahl der verpachteten Parzellen durchschnittlich um 70 zurück. Aktuell liegen wir bei etwa 2400 bewirtschafteten Kleingärten. Das sind 1000 weniger als vor 15 Jahren.

Wo sind die Rückgänge besonders stark zu spüren?

Als Sorgenkinder haben sich in der Vergangenheit speziell die ländlichen Regionen herausgestellt. Auf der anderen Seite zeigen Städter schon großes Interesse an Kleingärten auf dem Land. Aber wenn die Anlage mit dem Auto nur schlecht zu erreichen ist, es an Strom- oder Wasseranschluss hapert, lassen sie lieber die Finger davon.

Schrecken aber nicht gerade jüngere Interessenten oftmals vor den Regelungen des Bundeskleingartengesetzes zurück?

Das Bundeskleingartengesetz ist eine Säule unseres Kleingartenwesens. Es macht erst die geringe und sozial verträgliche Pacht möglich. Die hin und wieder kritisierte Festlegung, dass mindestens ein Drittel der Fläche kleingärtnerisch genutzt werden muss, lässt sich bei genauerer Betrachtung relativ problemlos erfüllen. Frisches Obst oder Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen, macht nicht nur Spaß, sondern schont auch den Geldbeutel. Da bleibt trotzdem genügend Platz, um den Kindern ein "Spielzimmer im Grünen" bieten zu können.

Wird mit dem Maßband kontrolliert?

Nein, in der Regel erkennt man schon, ob die Relationen soweit passen. Grundsätzlich appellieren wir als Verband immer dafür, das Bundeskleingartengesetz einzuhalten, aber im Interesse der Zukunftsfähigkeit der Anlagen, speziell durch den Zugang jüngerer Kleingärtner, durchaus vorhandene Spielräume großzügig auszulegen. Die Entscheidungen hierüber liegen jedoch in den Händen der Vereine.

Welche Rolle spielt dann der Verband noch?

Wir sind die übergeordnete Interessenvertretung der Kleingartenvereine. Wenn wir als Masse auftreten wollen, beispielsweise auch gegenüber der Politik, braucht es ein hörbares Sprachrohr. Ein kleiner Verein wird leider schnell als Minderheit abgetan. Wenn aber ein zahlenmäßig großer Verband auftritt, ist das eine ganz andere Kategorie.

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