Wirte kämpfen ums Überleben

Die Corona-Krise macht Gastronomen schwer zu schaffen. Die Wirte hoffen auf Hilfe vom Staat. Und einer bietet sogar selbst Hilfe an.

Landkreis.

Im "Brauhaus" Zwickau sind binnen einer Woche 500 Tischreservierungen storniert worden. "Auch Events und Familienfeiern wurden abgesagt", sagt Sarah Scherk, die mit ihrem Mann Sebastian das "Brauhaus" und die "Münze" in der Stadt betreibt. "Auch die Betten in beiden Häusern, die immer gut gebucht waren, bleiben leer." Die Gastronomin berichtet, dass jetzt von Tag zu Tag entschieden werde, wie es weitergeht. Die viele bereits eingekaufte Ware wolle man verarbeiten und als Mittagessen zum Abholen anbieten. Dafür wird über Facebook und mit Flyern geworben. 38 Mitarbeiter seien in Kurzarbeit geschickt worden. "Es ist eine nie da gewesene Situation eingetreten. Kredite haben wir schon, da helfen uns weitere nicht weiter. Ich hoffe, der Staat schafft Voraussetzungen, dass wir unsere Unternehmen durch die Coronakrise bringen", sagt Sarah Scherk.

Im Hotel "Drei Schwanen" in Hohenstein-Ernstthal ist Kurzarbeit für die sechs Mitarbeiter angesagt, so Hoteldirektor Bernd Frank. Die Reservierungen fürs Hotel seien überschaubar, an eine Schließung denkt er nicht. Anders sieht es im verpachteten Restaurant "Amici" aus. Der Betreiber hat geschlossen. "Es lohnt sich nicht, auf Laufkundschaft zu warten. Reservierungen gibt es keine mehr", so der Hotel-Chef. Ein Lieferservice sei auf die Schnelle nicht infrage gekommen. Frank hofft, dass sich die Lage in den kommenden Wochen wieder entspannt. "Ich hoffe natürlich auch, dass die Regierung einspringt und uns unterstützt."

Im "Amorsaal" in Mülsen bleibt es wegen der Krise vorerst still. "Wir mussten das Konzert von Rockpirat Samstagabend absagen. Und ich glaube nicht, dass am 25. April die Renft-Combo auftreten darf", sagt Steffen Friedrich vom "Amorsaal". Familienfeiern wurden storniert. Der Umsatz sei um 80 Prozent eingebrochen. Drei Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit. "18 Uhr eine Gaststätte zu schließen, macht keinen Sinn. Da geht das Geschäft erst los. Wir wollen versuchen, dass unsere Gäste das Essen bei uns abholen können", sagt er und fragt: "Ist das Coronavirus nach 18 Uhr ansteckender als vor 18 Uhr?"

Mario Flechsig, Gastwirt der Waldpension Giegengrün im gleichnamigen Hartmannsdorfer Ortsteil, hat einen Abhol- und Lieferservice eingerichtet und Öffnungszeiten verkürzt.

Ramona May, Inhaberin der Gaststätte "Zur Schmiede" in Ortmannsdorf, hat ihr Lokal bereits schweren Herzens geschlossen. "Die Entscheidungen der Regierung zur Eindämmung der Infektionsgefahr sind richtig, treffen mich aber hart", sagt sie. Weil zwischen den Gästen große Abstände eingehalten werden müssen, könne sie in ihrem kleinen Lokal nur wenig Platz bieten. Das rechne sich nicht. Ihre vier Mitarbeiter schickt die Wirtin in Kurzarbeit. Kosten habe sie mit ihren Versicherungen sowie dem Strom für die Kühlgeräte trotzdem. Da ist sie froh, dass ihr Vermieter Tino Trültzsch auf die Miete verzichtet, so lange geschlossen ist.

Ebenfalls zu hat bereits die "Erdbeerschänke" im Werdauer Ortsteil Leubnitz. "Mit den Abstandsregeln würden wir in unseren zwei Räumen nur 20 Plätze anbieten können", sagt Inhaber Ronald Otto. "Und ich muss ja auch meine beiden Angestellten schützen. Für sie habe ich Kurzarbeit beantragt." So lange es möglich ist, will Otto einen Lieferservice anbieten und Firmen, in denen gearbeitet wird, mit Essen versorgen. Abends kocht er für Leute, die das Essen abholen. "Und weil ich sowieso einkaufen muss, biete ich älteren und gesundheitlich gefährdeten Menschen an, ihre Besorgungen gleich mit zu erledigen", sagt der Gastronom. (mit scso/upa)


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.