Wo Klang und Licht gesteuert werden

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Theatermacher Die "Freie Presse" stellt Menschen vor, die dafür sorgen, dass Leben auf die Bühne kommt. Teil 4: Beleuchtung und Ton.

Zwickau.

Bei manchen Menschen scheint der Werdegang vorbestimmt. Wo sollte Matthias Fieseler anders landen als im Theater? Sein Vater war Schauspieler, seine Mutter Maskenbildnerin. Seine Großeltern haben im Lindenhof-Variete gearbeitet, als Conferencier und Tänzerin. Doch ihr Sprössling schlug zunächst völlig andere Wege ein.

"Ich habe in Meißen Keramiker gelernt", erzählt Fieseler. Seine Vorstellung ging in die Richtung Handformerei, Töpferei. Doch stattdessen sollte er im Steinzeugwerk arbeiten. Das war nichts für ihn. Er heuerte als Bühnentechniker im Theater an. Als in der Wendezeit drei, vier Beleuchter nach Bayern wechselten, übernahm er Anfang Februar 1990 eine der freien Planstellen. "Ich habe das TiM betreut und das Puppentheater", berichtet der 55-Jährige. Ab 1997 absolvierte er an der Technischen Fachhochschule Wildau eine Qualifizierung zum Veranstaltungsmeister. "Mein Meisterstück war ,Hamlet', das habe ich damals zusammen mit Regisseur Arne Retzlaff gemacht. Der wollte mich dann immer wieder haben." Als Silvio Gahs 2015 Technischer Direktor wurde, trat Fieseler dessen Nachfolge als Leiter der Beleuchtungsabteilung an, der je sechs Mitarbeiter in Zwickau und Plauen angehören.

Im Gewandhaus gibt es mindestens 400 Scheinwerfer, von klassische Stufenlinsen-, Profil- und Planlinsenscheinwerfern bis hin zu LED-Licht und Moving Lights. "Es werden Situationen dargestellt, Stimmungen für die Szene auf der Bühne erzeugt", erläutert der Beleuchtungsmeister, der sich auch um die Wartung und Instandhaltung der Geräte kümmert. Seine künstlerische Aufgabe ist es, die Intention des Autors, Komponisten oder Regisseurs unterstützend zur Geltung zu bringen. Die Technik ist auf verschiedenen Stationen angeordnet: Portal- und Zuschauerbrücke, Rang rechts und links, Vorbühnen- und Portaltürme auf beiden Seiten, Galerien rechts und links. "Die Bühne wird von allen Seiten beleuchtet", erklärt Fieseler. Nicht zu vergessen das Gegenlicht. "Das gibt dem Bühnenbild eine gewisse Tiefe." Der Operator in der Lichtregie steuert die Scheinwerfer, deren Einsatz alle denkbaren Effekte ermöglicht. "Das ist das Interessante. Man kann mit Licht Bilder malen", sagt der 55-Jährige. "Sicher wird im klassischen Schauspiel nicht so viel mit Licht gearbeitet wie in einem Musical oder einer Operette. Bei der ,Lustigen Witwe' hatten wir 125 verschiedene Lichtstimmungen. Das wird alles programmiert." Damit die Reproduktion gewährleistet wird, gibt es Stückunterlagen. Alles wird gespeichert und festgehalten.

Gleich neben der Lichtregie befindet sich der Kontrollraum für die Tontechnik. Dort hat Armin Hoier den Hut auf. Der gelernte Elektromechaniker, der am 1. Oktober 1979 als Beleuchter im Theater angefangen hat, wechselte ein Jahr später zum Ton, weil der Tonmeister aufgehört hatte und ans Kulturhaus nach Wilkau-Haßlau gegangen war. Nach einem Fernstudium zum Ingenieur für Film- und Fernsehtechnik mit Spezialisierung Tontechnik (1982-87) übernahm Hoier die Leitung der Abteilung. In Zwickau stehen ihm zwei Kollegen zur Seite.

Die Tontechnik ist für die gesamte Kommunikation im Theater zuständig. "Unser Arbeitsumfeld ist riesig", deutet der 60-Jährige an. Dazu gehören die ganze Steuerung für die Vorstellung, das Einspiel von Musik, Geräuschen und Videoprojektion, die Verstärkung von Live-Passagen durch Mikroports. Der Tonmeister hat die Vorstellungen des Regisseurs mit den technischen Möglichkeiten in Einklang zu bringen. Der erforderliche Aufwand in jedem Stück ist anders, es gibt immer neue Herausforderungen. "Es wäre schön, man hätte keine Grenzen, aber das Budget für ein Stück ist heutzutage sehr eng gestrickt."

Armin Hoier führt den Besucher in den Schaltraum, in dem die Steuerung fürs gesamte Haus steht, vom Licht im Foyer bis zum Einruf der Darsteller: Saalbeschallung, Effektbeschallung, Sprechstellen, um während der Vorstellung mit den anderen Bereichen zu kommunizieren, Videotechnik, die Funkanlage für Schwerhörige, Notstromversorgung. "Es ist eine sehr vielseitige und spannende Aufgabe, die mir auch Spaß macht", betont der Tonmeister. "Der Außenstehende sieht das nicht, aber wenn ein Teil hier versagt, dann steht alles Kopf." Noch wird an manchen Stellen im Gebäude gewerkelt. "Ich habe viele Umbauten mitgemacht und bin mit der Technik gewachsen", berichtet Hoier. "Man versucht bei jedem Umbau, das Ganze besser zu machen."

Beleuchtung und Ton wären bereit für die erste Vorstellung im sanierten Gewandhaus. Der Lockdown zehrt nicht nur an den Nerven der Zuschauer und Künstler, auch die Mitarbeiter hinter den Kulissen sehnen ein Ende der Zwangspause herbei. Hoier: "Es wird Zeit, dass wir wieder anfangen können."

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