Ziel: Länger gemeinsam lernen

Ein breites Bündnis in Sachsen wünscht sich das. Die Linken in Zwickau machen sich ebenfalls stark dafür und sammeln Unterschriften. Scheinbar ist der Stadtrat schon seit 1990 dafür.

Zwickau.

Linke-Stadtrat Thomas Koutzky ist zufrieden. In den zwei Stunden, in denen die Linken am Freitagvormittag zu dritt unter rotem Parteischirm am Baikal-Center in Zwickau standen, gab es gute Gespräche, vor allem aber auch Unterschriften. 40.000 sind in ganz Sachsen nötig, erklärt Stadtverbands- vorsitzender Sven Wöhl. Ziel der Sammlung: Kinder länger gemeinsam lernen zu lassen. 40.000 Unterschriften zwingen den sächsischen Landtag, sich mit dem Thema zu beschäftigen. "Falls er das Schulgesetz dann nicht ändert, sind 450.000 Unterschriften nötig, um einen Volksentscheid zu erwirken", sagt Wöhl.

Ein breites Bündnis hat sich zusammengetan, um die Gemeinschaftsschule als zusätzliche Schulart in Sachsen zu erlauben. Bündnispartner sind die Grünen, die Linke, die SPD, Sachsens Landeseltern- und Schülerrat, Gewerkschaften und Vereine. Ihr Rückenwind scheint gewaltig. Laut einer repräsentativen Befragung des Emnid-Instituts von 2017 lehnen knapp zwei Drittel die bislang übliche Aufteilung der Kinder nach der vierten Klasse ab.

Den Bündnispartnern geht es um das gemeinsame Lernen über die vierte Klasse hinaus, in einer langfristig stabilen Lernumgebung. "Niemand kann vorhersagen, welchen Bildungsweg ein zehnjähriges Kind meistern kann," so die Initiatoren. Doch nach der vierten Klasse werden die Mädchen und Jungen in Sachsen nach Schularten sortiert, die sich auf ihr ganzes späteres Leben auswirken können. "Alle Kinder sollten alle Möglichkeiten behalten und bis zum Abschluss zeigen können, was in ihnen steckt. Das lindert auch soziale Ungleichheit", heißt es in dem Volksantrag. Eine Gemeinschaftsschule kann von Klasse 1 bis 8, 1 bis 10 oder 5 bis 12 reichen.

Sieben Bundesländer haben nach Angaben der Initiatoren heute schon Gemeinschaftsschulen. In Thüringen seien in den vergangenen Jahren 65 Gemeinschaftsschulen entstanden. Und laut Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD), die sich ebenso wie Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Die Linke) am Freitag als eine der Ersten in die Liste eintrug, ist ein Koalitionspartner in Sachsens Staatsregierung bereits seit 2008 Verfechter dieser Idee: die SPD. "Und ich weiß, dass es in der aktuellen Koalition immer wieder Thema ist", sagt Findeiß. Sie will diesen Schultyp als Alternative zu den bestehenden verstanden wissen. "Schule braucht Beständigkeit. Daher sollte man nicht alles auf den Kopf stellen", schränkt sie ein. Sie sieht in einem solch zusätzlichen Angebot allerdings gleich mehrere Vorteile. Die Kinder lernen nicht nur länger zusammen und können sich mit wachsender Reife entscheiden, wohin die Reise später einmal gehen soll. "Stärkere können auch Schwächeren helfen. Und den Kindern bleiben weitere Schul- wege vorerst erspart", sagt Findeiß und erinnert, dass der Zwickauer Stadtrat im Grunde diese Idee schon seit 1990 auf dem Schirm hat. Nämlich in seinem erklärten Ziel, vor allem Schulstandorte zu erhalten, an denen Grund- und Mittelschule nah beieinander liegen. Gelungen sei das leider nur in Neuplanitz. Sven Wöhl sieht in der Gemeinschaftsschule zudem eine Chance für kleinere Orte, die sich Oberschule und Gymnasium nicht leisten können, ihren Schulstandort zu erhalten.

Weitere Termine für die Unterschriftensammlung der Linken sind jeweils von 9 bis 11 Uhr am kommenden Mittwoch am Markt Oberplanitz, am Donnerstag am Marienthaler Markt an der Julius-Seifert-Straße, am Freitag am Kosmos-Center in Eckersbach. Zudem liegen Listen in den Büros der Partei Die Linke in der Äußeren Plauenschen Straße 20 in Zwickau und in Kirchberg in der Bahnhofstraße 5 aus.

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