Zu laut: Meta-Werk-Pläne lösen sich (vorerst) in Luft auf

Zwei neue Hallen wollte der Projektentwickler in Pölbitz bauen. Doch die Stadt genehmigt sie nicht. Jetzt geht die Sache wohl vor Gericht.

Zwickau.

Bis 2017 mindestens 120 neue Arbeitsplätze, perspektivisch sogar 570 - die Pläne des Projektentwicklers Meta-Werk, Gewerbe auf der freien Fläche an der Dorotheen- und Schubertstraße anzusiedeln, klangen vielversprechend. Am Dienstag sind sie offenbar geplatzt. Die Stadtverwaltung hat es aus Immissionsschutzgründen abgelehnt, den Bau der beiden neuen Hallen zu genehmigen. "Problematisch sind Betrieb und Fahrverkehr in der Nacht", heißt es aus dem Baudezernat. Im Klartext: zu laut das Ganze.

Meta-Werk-Vorstand Michael Müller versteht die Welt nicht mehr. "Wir können uns das nicht vernünftig erklären." Man habe ein Gutachten vorgelegt, welches zeige, dass der für das Wohngebiet Franz-Mehring-Straße vorgeschriebene Lärmpegel nicht überschritten wird. "Wir unterschreiten sogar Grenzwerte", sagt Müller und kündigt an, den Rechtsweg einschlagen zu wollen. Vorverträge mit Unternehmen werden nun gekündigt. Wer genau sich dort ansiedeln wollte, verrät Müller nicht, nur dass es mehr als ein Unternehmen war.

Besonders ärgerlich findet der Chef, dass die Diskussion seit 2013 in Gang und von den Bürgermeistern immer wohlwollend betrachtet worden sei und nun so endet, obwohl sich die tatsächlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen nicht geändert hätten. Er beklagt unnötige Kosten, enormen Umplanungsaufwand und Vertrauensverlust. Allerdings: Protokolle belegen, dass die Stadt schon 2014 davon sprach, dass die Neubauten an einigen Stellen mit bestehendem Recht kollidieren, ein Planänderungsverfahren nötig sei. Das aber sei bis heute nicht begonnen worden, ziehe sich für gewöhnlich auch über zwei Jahre hin, heißt es aus dem Rathaus.

Etliche Anwohner hatten Protest angemeldet, als der Projektentwickler dann zu bauen begann. Einige Beschwerden lösten sich mittlerweile in Luft auf. So sei der Abstand zur Wohnbebauung kein strittiger Punkt mehr, versichern Stadt und Unternehmen. Müller zufolge sind es wenigstens 22Meter. Die Stützen, die schon stehen, seien nicht gleichbedeutend mit der Hallenwand.

Laut Rathaussprecher Mathias Merz hält die Stadt weiterhin an einer gewerblichen Nachnutzung des Gebietes fest - unter Beachtung des gesetzlichen Rahmens. Der Projektentwickler hat nach eigenen Angaben in 18 Jahren 3000 Arbeitsplätze in Zwickaus Norden angesiedelt. Im Februar begannen die Abrissarbeiten auf dem alten Konsumgelände. Beim Aufbau war das Meta-Werk allerdings vorgeprescht. Weil die Baugenehmigung fehlte, verhängte die Stadt einen Stopp.

Kleingärtner aus der Anlage Gudrunstraße, die 18 Gärten für das Bauvorhaben geopfert und nun einen Riesenberg Baumaterial vor der Nase haben, fürchten, dass dieser Zustand so bleibt. Müller sicherte zu, dass der früher oder später wegkomme - falls man sich tatsächlich nicht einigen könne.

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1Kommentare
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    WolfgangPetry
    03.09.2016

    Wollen die Menschen dort nicht arbeiten, sind das alles Rentner oder sind sie bereits mit Arbeitsplätzen überversorgt? Was die Wortwahl "geopferte" Kleingärten angeht, so würde ich mir stattdessen bei nächster Gelegenheit von der Freien Presse einen kleinen Artikel über fehlende Nachfolger für scheidende Kleingartenpächter und die zunehmende Zahl leerstehender Gärten in überalterten ostdeutschen Städten wünschen...



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