Zum Abtauchen in die Zeitkapsel

Die Landesausstellung "Boom" soll alle Aspekte von 500 Jahren sächsischer Industriekultur darstellen. Dazu fehlen noch Führer.

Zwickau.

Wo einst Autobauer für die Herstellung des Trabis ausgebildet wurden, hat in diesen Tagen der Aufbau der zentralen Landesausstellung "Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen" begonnen. In einer 3000-Quadratmeter-Halle des Audi-Baus Zwickau, direkt neben dem Horch-Museum, werden aus Industrieregalen gerade die sechs Sektionen der Schau montiert, die nicht nur die Geschichte der hiesigen Industriekultur zeigen, sondern auch deren verschiedene, oft ambivalente Aspekte fassbar machen sollen. Kuratiert wird die Schau von Thomas Spring, der unter anderem auch das Landesarchäologiemuseum "Smac" in Chemnitz mit auf den Weg gebracht hatte. Die Abschnitte stehen unter Überschriften wie "Barock & Berggeschrey", "Karl Marx & Karl May" oder "Trabi & Treuhand".

Die Macher wollen den Industriecharme der 1938 errichteten Fertigungshalle mit modernem Ausstellungsdesign so kreuzen, dass beides seinen Reiz entfalten kann. Einziger Nachteil: Die Halle muss drastisch abgedunkelt werden; Arbeiter kleben gerade schwarze Folien vor die Fenster. Das lichtdurchflutete Flair geht dabei verloren. Der Schritt ist aber nötig: "Wir haben viele wertvolle und empfindliche Exponate wie Originalgrafiken und Stoffe, die nur eine Maximalbeleuchtung von 60 Lux aushalten", so Spring. Er will das aber zu seinem Vorteil nutzen: "Der Ausstellungsraum wird so zu einer Art geschlossener Zeitkapsel. Das erleichtert das Eintauchen in die Geschichte." Insgesamt sollen in der Zentralausstellung ab 24. April rund 500 Exponate von 130 Leihgebern zu sehen sein.

Für die Präsentation fehlen den Machern allerdings noch engagierte Führer auf Honorarbasis, die Besuchergruppen die Schau erklären können. Laut der Bildungsbeauftragten Josefine Frank müssen das ausdrücklich keine Wissenschaftler sein: "Es geht vor allem darum, Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag und den Reiz verschiedener Industriebranchen zu schildern", sagt sie. Bewerben kann man sich als Gästeführer der Landesausstellung im Internet: www.avantgarde-zwickau.de


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