Zum Geburtstag ein Lied - und einen Strafzettel

Etwa 250 Menschen sind zum 120-jährigen Bestehen der Zwickauer Hütte nach Südtirol gereist. Zur Feier gab es auch unerwartete Geschenke.

Zwickau/Pfelders.

Etwa vier Stunden dauert es, so rechnet man, um von Pfelders aus zur Zwickauer Hütte aufzusteigen. 5,6 Kilometer lang ist die Strecke, mehr als 1300 Höhenmeter sind zu überwinden. Wenn man weiß, dass einem oben auf dem Berg eine Feier erwartet, geht es vielleicht auch schneller voran.

Zwei Stunden und 40 Minuten, so berichtet es Karl Remitz, haben die schnellsten Zwickauer am gestrigen Freitag für die teils steile Strecke gebraucht. Nach drei Stunden und 20 Minuten stieß Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) zu den Festgästen. Insgesamt kamen im Laufe des Morgens und des Mittags mehr als 100 Gratulanten auf Zwickaus höchstgelegenem Aussichtspunkt an. Und als alle wieder zu Atem gekommen waren, schmetterten sie den Steigermarsch aus voller Kehle und manche mit einem Tränchen der Rührung in den Augen. So erzählt es Remitz am frühen Nachmittag. Da ist die Feier vorbei, das Jugendblasorchester hat seine Instrumente wieder eingepackt, alle Geschenke sind verteilt. Ein Teil der Gäste hat sich zum Abstieg bereit gemacht, rund 60 von ihnen aber bleiben in 3000 Metern Höhe. Sie wollen hier übernachten.


Es ist das 120-jährige Bestehen der Hütte, die einst vom Zwickauer Alpenverein dort oben in den Ötz- taler Alpen gebaut wurde. Es ist bereits der fünfte Jubiläumsbesuch, den Karl Remitz organisiert hat. Beim 100-jährigen Bestehen hat er angefangen. Nun bekommt er dafür den Lohn: Am Freitag ist er mit der Ehrenmedaille von Südtirol ausgezeichnet worden. Eine Ehre, mit der er nicht gerechnet hat - man hört es seiner Stimme an. Doch er ist an diesem Tag nicht der Einzige, der ein Geschenk entgegennimmt. Remitz hat Hüttenwirt Heinz Leitner einen in Zwickau geschnitzten Wanderstock mitgebracht. Außerdem bekommt er ein Wandbild von einem Trabant, ein Räuchermännchen, und die Mauritiusbrauerei hat für das Fest flüssige Grüße mitgeschickt. So wie das Jugendblasorchester unter Leitung von Wolfgang Uhlig und mit moralischer Unterstützung seines ehemaligen Dirigenten Günter Haubold eben musikalische Grüße überbrachte. "Es war alles ganz wunderbar", schwärmt Karl Remitz von der Feier und dem anschließenden Gottesdienst.

Aber kommen wir noch einmal kurz auf den Trabant zurück. Solch ein Fahrzeug stand schon oben, als die Gäste eintrafen - angefahren aus Zwickau, auf den Berg gebracht mit einem Hubschrauber. Das ist erst wenige Wochen her. Seitdem wissen sämtliche Wanderer, warum ihnen der Name Zwickauer Hütte so bekannt vorkommt. Und seitdem weiß der Hüttenwirt auch, dass vor seiner Tür kein Parkplatz ist. Denn die italienische Polizei ist die einzige, die keine Grüße geschickt hat, sondern einen Strafzettel wegen Falschparkens. Macht 10 Euro, mille grazie.

Bereits am Mittwoch fand im Ort Pfelders eine Festveranstaltung statt. Schon da sorgte das Jugendblasorchester für Begeisterung, berichtet Remitz. Am heutigen Samstag wird dort noch einmal gefeiert. Schließlich muss den rund 250 angereisten Zwickauern und Sachsen ja etwas geboten werden. Außerdem dauert es bis zum nächsten runden Geburtstag wieder fünf lange Jahre. Dann ist Karl Remitz über 80.

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