Zwei nehmen den Hut, einer wirft ihn in den Ring

Wahlen 2019 In die Besetzung des Zwickauer Stadtrates kommt Bewegung. In den Ortsteilen allerdings wird eher auf Beständigkeit gesetzt.

Zwickau.

Irgendwann muss man mit dem Aufhören anfangen. Stefan Kramer und Reiner Seidel sagen das fast unisono. Die beiden langgedienten Ortsvorsteher und Christdemokraten werden in diesem Jahr nicht mehr für den Stadtrat kandidieren.

Ob die nördlichen, erst 1996 sowie 1999 eingemeindeten Ortsteile sich nun weniger stark vertreten fühlen, wird sich zeigen. Bisher hatte sich Kramer beispielsweise demonstrativ vor seine Schneppendorfer gestellt, wenn es darum ging, die Pläne für einen Kiesabbau am Rande des Ortes zu verhindern. "Wenn die Wahlperiode zu Ende geht, bin ich bald 80", sagt er. Es sei Zeit, kürzer zu treten. Kürzer, nicht kurz: Für den Ortschaftsrat und den Kreistag will er weiter aktiv sein. Beide Gremien liegen ihm am Herzen, doch selbst der Kreistag laufe strukturierter ab als die Arbeit im Stadtrat. "Da wird auch nicht so viel diskutiert, das kostet nicht so viel Kraft", sagt Kramer.

Tino Moritz und Kai Kollenberg

Sachsen 2019:Der „Freie Presse“-Newsletter zur Landtagswahl von Tino Moritz und Kai Kollenberg

kostenlos bestellen

Ähnlich äußert sich Reiner Seidel (74). Seit 1990 ist der Moseler Ortsvorsteher in der Kommunalpolitik aktiv. "Ich habe viel bewegen können. Und ich denke, dass ich meine Sache ganz gut gemacht habe." Dabei nennt er den Umzug der Ricarda-Huch-Schule als einen seiner Pluspunkte - auch wenn es etwas an Überzeugungsarbeit gebraucht hatte, die Schule für Erziehungshilfe im Ort zu etablieren. Für große Reden im Rat war Seidel nicht bekannt - er habe lieber in den Ausschüssen gearbeitet. Nach drei schweren Erkrankungen möchte auch Seidel seine Kräfte nun schonen, für den Ortschaftsrat und den Kreistag aber tritt er ebenfalls wieder an.

Mit 70 noch einmal durchstarten - das gilt hingegen für Gerd Drechsler. Der ehemalige Dezernent aus dem Landratsamt hat gerade seine erste Legislaturperiode als Cainsdorfer Ortsvorsteher hinter sich, nun bewirbt er sich auch um einen Sitz im Stadtrat in den Reihen der CDU. Ein Unbekannter ist er nicht. Als er für den Bau des Turnerheims in seinem Ortsteil kämpfte, trat er bereits das eine oder andere Mal während der Stadtratssitzungen ans Mikrophon. Seine Erfahrungen möchte er gern in die Fraktion einbringen, sagt Drechsler: "Ich weiß, dass man für viele Dinge Geduld braucht -und ich weiß, wie Verwaltung tickt." Damit lasse sich einiges erreichen, sagt er und verweist auf das Turnerheim, das nach langem Kampf nun saniert werden soll, wenn auch nicht ganz nach den ursprünglichen Plänen. Drechsler steht auf Platz 16 der Stadtratsliste. "Aber das ist eine Personalwahl, da geht es nicht so sehr um den Platz. Ich werde demütig jedes Ergebnis annehmen. Auch bei der Ortschaftsratswahl tritt Drechsler wieder an. "Ich möchte gern das zu Ende bringen, was ich begonnen habe", sagt er.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...