Zwickau damals und heute, Folge 24: Der Gasthof "Zum Paradies"

Hätten Sie es erkannt? Der Gasthof "Zum Paradies" stand unmittelbar an der Kreuzung Äußere Dresdener und Reinsdorfer Straße. Von rechts kam man über die Paradiesbrücke, links ging es zum Brückenberg hinauf. Das Entstehungsdatum liegt im Dunkeln. "Ochsenhaus", "Ochsenkeller" und später "Ratsweinkeller" waren gebräuchliche Namen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Im Schmalkaldischen (1547/48) und im Dreißigjährigen Krieg (1618/48) wurde das Gebäude zerstört. Aber die günstige Lage vor dem Tränktor und an der Fernstraße nach Dresden ließen die Besitzer immer wieder einen Neuanfang wagen. Das vormalige Schenkhaus erhielt 1698 die Gastgerechtigkeit. Dass Martin Luther bei seinem Zwickau-Besuch 1522 den Spruch getan haben soll: "Hier ist es ja so herrlich wie im Paradies!" ist eine nette, aber historisch nicht abgesicherte Sage. Am 1. Mai 1864 wurde im Gasthof der "Bergknappenverein" gegründet. Am 28. Dezember 1894 beschlossen elf Gewerbeinnungen im "Paradies", eine Innungskrankenkasse zu gründen. Wegen seiner Lage musste der Gasthof stets mit der Hochwassergefahr leben. Besonders schlimm traf es ihn am 31. Juli 1858, als die Mulde über die Ufer trat. Die Schäden konnten aber immer wieder behoben werden. Bis zum 19. März 1945, als US-amerikanische Bomben den Gasthof in Schutt und Asche legten. Im Luftschutzkeller starben 55 Menschen. Der historische Gasthof "Zum Paradies" ist nicht mehr aufgebaut worden. Am 2. September 1954 weihte das Robert-Schumann-Konservatorium an dieser Stelle sein Internat mit 60 Plätzen ein. Es steht schon lange leer. (nope)

Noch mehr Stadtansichtengibt es in Norbert Peschkes Buch "Zwickau - damals und heute", das im Chemnitzer Verlag erschienen ist. Erhältlich ist es im "Freie Presse"-Shop, Hauptstraße 13 in Zwickau. Preis: 19,95 Euro.

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