Zwickau damals und heute, Folge 28: Der Mühlgrabenweg

Dieser Abschnitt des heutigen Dr.-Friedrichs-Rings hieß seinerzeit, als das historische Foto entstand, Mühlgrabenweg. 1933 wurden die vier Abschnitte Schul-, Moritz-, Schloss- und Mühlgrabenweg zusammengelegt und nach einem nationalsozialistischen Politiker benannt, der sich 1945 das Leben nahm. Nachdem die sowjetischen Besatzer den Namen Leninring ablehnten, wurde die Straße nach dessen Tod nach Dr. Rudolf Friedrichs (1892-1947) benannt. Er war von 1946 bis 1947 der erste Ministerpräsident des Landes Sachsen und vor 1933 als SPD-Mitglied Regierungsrat im sächsischen Innenministerium. Im Vordergrund des Bildes kreuzte sich der Mühlgrabenweg mit der Inneren und Äußeren Schneeberger Straße. Das Eckhaus war die Äußere Schneeberger Straße 1/3. Es beherbergte eine Kolonialwaren-Handlung. Das Gebäude wurde am 19. März 1945 durch amerikanische Bomben zerstört. Bis heute befindet sich hier eine freie Fläche.

Eine besondere Bedeutung hat das auf dem linken Bild befindliche kleine helle Haus, der Adolf-Hitler-Ring 165. Am 16. Oktober 1939 verkündete der Landrat zu Zwickau, dass "Juden im Bezirk zur Zeit nicht wohnhaft" sind. Anders war es in der Stadt Zwickau. Am 20. Januar 1942 entschied Oberbürgermeister Ewald Dost, das vor 1854 erbaute kleine Wohnhaus (es beherbergte 1930 bis 1933 die KPD-Unterbezirksleitung) als sogenanntes "Judenhaus" einzurichten und dort die wenigen noch in Zwickau wohnenden jüdischen Familien unterzubringen, die in sogenannter Mischehe lebten. Das kleine Haus, von der Baupolizei als "menschenunwürdig" bezeichnet, gehörte der jüdischen Familie Liebi und Josef Klein. Schließlich musste Liebi Klein als Hauseigentümerin das Haus am 6. Juni 1942 auf einer Zwangsversteigerung für 500 Mark an die Stadt Zwickau verkaufen, da sie die geforderten Hausreparaturen nicht bezahlen und in der Kriegszeit auch nicht ausführen lassen konnte. Über den Verbleib der Einwohner ist nicht viel bekannt. Die meisten Bewohner wurden am 10. Mai 1942 deportiert. Sie kamen fast alle in den Vernichtungslagern Auschwitz oder Belzyce ums Leben. Auf jeden Fall wurde der Hausbewohner Heinrich Flatow am 26. März 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Im Zuge der Umgestaltung der südlichen Innenstadt wurden auch die hinter dem "Judenhaus" stehenden Wohnhäuser abgebrochen. Der neue Teil des Dr.-Friedrichs-Ringes wurde geradlinig zur Adolf-Hennecke-Brücke (heute Glück-auf-Brücke) weitergeführt. (nope)


Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...