Zwickau, erinnere dich

Die "Novembertage" stehen diesmal auch unter dem Eindruck aktueller Ereignisse - und des Wendejubiläums.

Zwickau.

Matthias Bley und seine Mitstreiter standen am Donnerstag im "Alten Gasometer" Zwickau noch ganz unter dem Schock der Geschehnisse in Halle. "Es fällt mir nicht leicht, schöne Worte zu finden", gestand der Projektleiter der "Novembertage". Doch gerade vor dem Hintergrund dieser menschenverachtenden Tat zeige sich die Bedeutung der 2012 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe.

"Die Morde in Halle machen deutlich, dass wir alle, die Zivilgesellschaft, aufgefordert sind, Lösungen zu finden", sagte Bley und verwies auch auf die Schändung des Gedenkbaumes für NSU-Opfer Enver Simsek in Zwickau. Zur Aufarbeitung der Geschehnisse um die Gedenkstätte sei am 21. Oktober ein Bürgerdialog geplant, denn "wir haben die Verpflichtung, Zeichen zu setzen, die über bloßes Gedenken hinausgehen."

Als einen Höhepunkt der "Novembertage" bezeichneten die Veranstalter die Eröffnung eines temporären Dokumentations- und Informationszentrums zum NSU. In Zusammenarbeit der Zwickauer mit der Chemnitzer Geschichtswerkstatt soll in einem ehemaligen Modegeschäft in der Hauptstraße 44 die Geschichte des NSU und seiner Opfer aufbereitet werden. Die Idee dafür wurde vor einem halben Jahr mit Zwickauer Oberschülern geboren und soll als "Testlauf" für eine Woche verstanden werden. "Wir würden uns wünschen, dass das Provisorium einen dauerhaften Platz in der Stadt findet. Der könnte beispielsweise eine Etage im Kaufhaus Schocken sein, das ja saniert werden soll", sagte Jörg Banitz.

Zudem wird sich bei den "Novembertagen" unter dem Motto "Erinnern, Gedenken und Zusammenkommen in Zwickau" einiges um den Mauerfall vor 30 Jahren drehen. Zum Beispiel in dem Vortrag "Zwickau, erinnerst Du Dich?" der Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2018, Aleida Assmann, bei der Premiere des Stückes "Die bessren Zeiten sagen guten Tag" im Malsaal und am 9. November ab 11Uhr auf der Gedenkveranstaltung "30 Jahre Mauerfall" am Einheits- und Freiheitsdenkmal.

Die "Novembertage" laufen vom 15.Oktober bis zum 27. November. Insgesamt gibt es an 17 Tagen 23Veranstaltungen. Den Auftakt bildet am Dienstag die Lesung "Lange Schatten meiner Stasi-Bearbeiter" von Edmund Käbisch. Die Veranstaltung beginnt 18 Uhr in der Hochschulbibliothek.

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