Zwickauer Grundschüler erleben ihre Wahlpremiere - und sehen rot

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An der Testabstimmung vor der Bundestagswahl haben sich erstmals Kinder der 3. und 4. Klassen beteiligt. Für sie war das ein wichtiger und aufregender Tag.

Zwickau.

Niemand möchte etwas verpassen, jedes Kind macht den Hals so lang es geht. Dann nicken alle: Ja, die Wahlurne ist wirklich leer. Und nachdem sich auch noch alle überzeugt haben, wie Schulsozialarbeiterin Cindy Flade den großen Kasten mit dem Schlitz im Deckel versiegelt hat, stellen sich alle an, um der Reihe nach ihre Wahlbenachrichtigungen vorzuzeigen und dann in den Kabinen ihre zwei Kreuze zu machen.

Es ist das erste Mal, dass sich mit der Zwickauer Scheffelbergschule eine Grundschule an der U-18-Wahl beteiligt. Die Kinder der Klassen 3 und 4 haben sich gut vorbereitet, sie haben gelernt, wie die Abläufe funktionieren, und erfahren, welche Bundestagspartei wofür steht. Nicht in allen Dingen, aber vier Themen hat sich Cindy Flade ausgesucht und mit den Mädchen und Jungen besprochen. Dabei ging es um Digitalisierung, Familien, aber auch um Bildung und Umweltschutz. Und so, wie die Kinder nun zappelig an der Tür Schlange stehen, und so, wie es hier und da wispert: "Ich bin so aufgeregt" - so wichtig ist ihnen dieser Tag. Ihnen ist klar, dass ihr Votum nicht für die eigentliche Wahl gezählt wird. Sie wissen aber auch, dass das Ergebnis dennoch nach Berlin gemeldet wird. Damit die Politik weiß, wie die Jüngsten ticken.

Und wie ticken sie? Kurz gesagt: Sie würden SPD wählen. Von den 136 Stimmberechtigten Kindern haben 98 ihre Stimme abgegeben - das macht eine Wahlbeteiligung von rund 72 Prozent. Bei den Erststimmen erhielt SPD-Kandidatin Gundula Schubert 27 Stimmen, es folgten Sabine Zimmermann (Linke/ 18 Stimmen), Carsten Körber (CDU/ 14), Wolfgang Wetzel (Grüne/14), Matthias Moosdorf (AfD/12), Nico Tippelt (FDP/5). Bei den Zweitstimmen gewann die SPD (22 Stimmen) vor Linken und CDU (je 14) vor der Tierschutzpartei (13), Grünen und AfD (je 12) und den Piraten (3).

Das Ergebnis mag sich von dem, das am Abend des 26. September feststehen soll, unterscheiden. Wahrscheinlich, sagt Lillemor Büchel aus der 4 a: "Wir leben ja auch länger auf dem Planeten. Und der geht bald kaputt - da muss man schon was machen und nicht nur reden." Mit ihr am Tisch sitzen Helene Findeisen und Emil Reinecke aus der 4 b. Die beiden stimmen ihr zu. Außerdem haben sie bereits Politikerfahrung, in gewisser Weise. Denn sie vertreten ihre Klasse in der jährlich stattfindenden Konferenz, die Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler an einen Tisch bringt. Dabei werden Dinge besprochen, die Großen wie Kleinen auf den Nägeln brennen. Und es gibt Ergebnisse, sagt die Sozialarbeiterin. Beispielsweise wurden die Klassenregeln abgespeckt und übersichtlicher gestaltet. Nun gilt jede Woche nur eine Regel, aber immer eine andere - auch so kommen sie ans Ziel. Zudem haben die Kinder durchgesetzt, dass sie den Bolzplatz klassenweise nutzen dürfen. Das verhindert, dass die Jüngeren verdrängt werden. "Darauf wären wir gar nicht gekommen", gibt Schulleiterin Claudia Rätz zu. "Von außen wirkte das so, als würden sich alle einigen."

Diese Konferenz ist den Kindern wichtig. Für den Tag machen sich die Beteiligten auch gern schick. Was aber das Coolste ist, sagt Cindy Flade: "Die Klassen schicken immer andere Leute, da wird wirklich durchgewechselt." Vielleicht sollten die Leute vom Scheffelberg mehr nach Berlin melden als nur eine Handvoll Zahlen.

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