Zwickauer Hauptbahnhof weiter von Straßenbahn abgeschnitten

Nach langer energischer Debatte hat der Stadtrat am Donnerstag abgelehnt, die Gleise vorübergehend zu reparieren. OB Findeiß fürchtet, dass die Entscheidung weitreichende Folgen haben könnte.

Zwickau.

Die Straßenbahn wird auch weiter nicht den Zwickauer Hauptbahnhof anfahren. Am Donnerstag lehnte der Stadtrat mehrheitlich den Antrag der Fraktion SPD-Grüne-Tierschutzpartei ab, die verschlissenen Gleise vorzeitig zu reparieren, um den Betrieb der Linien 5 und 7 wieder aufnehmen zu können. Auch ein abgeänderter Antrag ähnlichen Inhalts der Fraktion BfZ erhielt keine Mehrheit. CDU-FDP, AfD und Linke waren sich in ihrer Ablehnung der Vorschläge weitgehend einig bei einer Handvoll Enthaltungen.

Zuvor hatten die Stadträte lange und intensiv darüber diskutiert. Befürworter der Gleisreparatur warfen den Städtischen Verkehrsbetrieben Zwickau (SVZ) vor, die Straßenbahnverbindung absichtlich geschwächt und anschließend die Gleise so lange vernachlässigt zu haben, bis sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr befahren werden konnten. Dabei gibt es einen gültigen Stadtratsbeschluss von 2016, der sich klar für den Erhalt der Bahnhofsbahn ausspricht. Lars Dörner (Grüne) sprach von Sabotage, Tristan Drechsel (BfZ) forderte, einen Schuldigen zu benennen und zur Rechenschaft zu ziehen. Für Carsten Schick (FDP) hingegen ist der Stadtrat selbst Verursacher des Dilemmas. Hätte der Rat Beschlüsse zügiger gefasst und nicht immer weitere Anforderungen an den Gleisumbau gestellt, wäre die Situation in dieser Form nicht entstanden.

Gegen Ende der Diskussion schaltete sich erstmals der Jugendbeirat in eine laufende Stadtratsdebatte ein. Zwei Vertreter sprachen sich in einem Redebeitrag für die Reparatur der Gleise aus. Jugendliche seien auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und würden die Bahn gern nutzen, sagten sie.

Die Gegner der Reparatur argumentierten mit unwirtschaftlichen Kosten. In wenigen Jahren sollen der gesamte Vorplatz umgestaltet und auch Gleise umverlegt werden. Mehrere hunderttausend Euro für eine nur zwei, drei Jahre dauernde Zwischenlösung auszugeben, sei nicht vertretbar, sagte Herbert Reischl (Die Linke).

OB Pia Findeiß (SPD), die sich bisher in die Reparaturdebatte nicht eingeschaltet hatte, sprach sich am Donnerstag noch einmal klar für die Straßenbahn zum Hauptbahnhof aus. Sie fürchtet, dass nun die Bahn-Gegner vor allem in der AfD ihre Bestrebungen erneuern könnten, die Linie zum Hauptbahnhof für immer zu streichen. "Ganz so, als ob es sicher wäre, dass die Bahn nach der Umgestaltung wieder fährt, ist es nicht", sagte Findeiß. "Es stehen noch viele Beschlüsse aus."


So argumentieren die Stadträte in der Debatte

Lars Dörner (Grüne): "Es gibt den Stadtratsbeschluss von 2016, dass die Bahn weiter zum Bahnhof fahren soll. Für mich ist unverständlich, wie die SVZ das ignorieren konnte. Das grenzt an Sabotage."

Tristan Drechsel (BfZ): "Laut Betriebsführungsvertrag hätte die SVZ die Gleise instand halten müssen. Wurde da was vernachlässigt?"

Herbert Reischl (Linke): "Ich weiß nicht, warum zwei Fraktionen so tun, als würde die Stadt zusammenbrechen, nur weil die Straßenbahn nicht mehr zum Bahnhof fährt."

Constance Arndt (BfZ): "Wenn Sie mal zehn Minuten an einer Haltestelle gestanden haben, dann wissen Sie, wie lange das ist."

Jens Heinzig (SPD): "Erst wird ausgedünnt, dann fährt die Bahn nicht mehr am Wochenende, dann hat man zu wenig Fahrgäste, und dann lässt man die Gleise kaputt gehen."

Anja Telz (AfD): "Wer umweltbewusst ist, kann auch mal per pedes unterwegs sein." (ael)


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