Abo
Sie haben kein
gültiges Abo.
Schließen

Zwickauer Kreativwirtschaft rückt ins Scheinwerferlicht

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Kleinstunternehmen werten Städte auf - optisch und wirtschaftlich. Auch in Zwickau spielen sie eine Rolle, die jedoch meist unterschätzt wird. Noch.

Zwickau.

Die Kreativen: In Zwickau handelt es sich dabei um eine offenbar wohlgelittene, jedoch eher anonyme Gruppe. Wenn es um die Belebung der Innenstadt geht, dann wünschen sich seit Jahren die Menschen in Zwickau, leerstehende Geschäfte, besonders in der Innenstadt, gern vorübergehend an die Kreativwirtschaft zu übergeben. Bei Umfragen zur Belebung der City ist dies immer wieder ein Vorschlag.

Mit dem ehemaligen Modegeschäft Röder an der Hauptstraße ist die Stadtverwaltung auf einem Weg dahin. Das wurde bereits auch für eine vielbeachtete Ausstellung genutzt, und eben kündigte Stadtmanagerin Ariane Spiekermann an, dies fortzusetzen. Sie sagte aber auch: "Privatbesitzer warten lieber, bis sie einen Filialisten finden, der ihre Geschäftsräume mietet."

Möglicherweise gibt es Ressentiments gegenüber Kunstschaffenden. Dabei bilden sie einen beachtlichen Anteil am sächsischen Erwerbsleben. Das sagten Katja Großer und Josephine Hage von der Organisation Kreatives Sachsen in Zwickau vor Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen und Verwaltung. Rund 70.000 Menschen, so Katja Großer, sind in Sachsen in der Kreativwirtschaft tätig. "Das ist mal eine Hausnummer, wirtschaftlich gesehen." Zum Vergleich: Im Kern der Automobilindustrie, in der Produktion, arbeiten ihren Angaben zufolge sachsenweit weniger Menschen.

Was Zwickaus Großers Meinung nach gut täte, ist ein fester Ansprechpartner für die Kreativwirtschaft. Zumal sie damit rechnet, dass das Kulturhauptstadt-Jahr 2025 von Chemnitz auf die Region ausstrahlt. Josephine Hage sieht darin eine Chance für die Städte. Sie nennt es Makertourismus: Menschen, die reisen, um an Seminaren oder Workshops teilzunehmen. "Das gibt uns die Möglichkeit, unser kulturelles Erbe ganz neu zu vermitteln." Käse-Workshops, Drechselkurse, Aquarellurlaube: Solche Angebote könnten neue Zielgruppen auch nach Westsachsen locken.

Ein Ort, an dem die Kreativwirtschaft in Zwickau Fuß fasst, ist die Kulturweberei, eine ehemals leerstehende Fabrik. Nach Yoga-Zentrum, Z-Labor und der Craftbier-Brauerei Kevin ziehen dort mehr und mehr kreativ Tätige ein. Auch Janett Fischer hat ihren Atelier "Lotta und Pepe" aus der Nordvorstadt an die Seilerstraße verlegt. Für die Produzentin von Familienmode ist die Kulturweberei nicht nur preiswerter, vor allem ist sie cooler. "Da sind so viele andere Kreative. Genau so hatte ich mir das immer vorgestellt", sagt sie. Wie sie selbst auch, betreiben viele ihr Unternehmen im Nebengewerbe. Deshalb wünscht sie sich eine Förderung auch für die Menschen, die erst einmal vorsichtig beginnen. "Das hilft vielleicht auch, Studierende in der Stadt zu halten, wenn sie hier etwas wagen können."

Wer etwas wagen möchte, ist vielleicht in der kommenden Woche im Café 46 richtig. Das öffnet am Montag an der Hauptstraße in besagtem ehemaligem Modegeschäft. Dort bietet sich für zwei Tage ein Ort zum Reden, Spinnen, Träumen und Pläne fassen. Denn aus den Gewerberäumen soll ab 2023 ein gesellschaftlicher Freiraum entstehen, ein Ort zum Ausprobieren. Am Montag locken Getränke, Musik und subkulturelles Flair ab 17 Uhr Leute an, die gern etwas anregen oder ausprobieren möchten. 19 Uhr beginnt eine Diskussionsrunde über die Zukunft des Ladens. Am Dienstag gibt es dann Kino im Café.

Kreatives Hilfegesuch

Die Menschen hinter den Kleinstunternehmen haben oft große Träume, die sie nicht aus eigener Kraft verwirklichen können. Doch auch bei der Suche nach Hilfe sind sie kreativ. So startet Janett Fischer am Sonntag eine Crowdfunding-Aktion über die Plattform startnext.de. "Ich möchte meine neue Kollektion auf der Messe in Hamburg vorstellen", sagt sie. Allein das übersteigt nach zwei Jahren Corona ihre finanziellen Möglichkeiten. Jetzt hofft sie auf Spenden und winkt mit Geschenken. Denn wer gewisse Summen für die Aktion einzahlt, bekommt eine Auswahl an Waren oder Gutscheinen - so soll jeder glücklich werden.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.