Zwickauer Neumarkt: Anzahl der Straftaten geht zurück

Die Polizei legt eine Statistik vor, die einen deutlichen Rückgang der Kriminalität am einstigen Brennpunkt belegt. Wie ist es dazu gekommen?

Zwickau.

Der Rückgang der Straftaten am letztjährigen Brennpunkt, dem Zwickauer Neumarkt, ist von der Polizeidirektion Zwickau jetzt auch statistisch belegt worden. Laut den Zahlen, die die Beamten auf Anfrage der "Freien Presse" am Dienstag bekannt gegeben haben, sind gerade Anzeigen wegen Körperverletzungen und Sachbeschädigungen stark rückläufig. Wurde im ersten Halbjahr 2018 demnach rund um den Neumarkt noch im Schnitt fast eine Körperverletzung pro Woche angezeigt, ist es jetzt weniger als eine im Monat.

Die Beamten haben für ihre Statistik einen Radius von 80 Metern rund um den Neumarkt gewählt. Anzeigen und Einsätze, die in dieses Gebiet fallen, wurden für die Statistik gesondert ausgewertet. Demnach wurde der Höchststand an angezeigten Straftaten in den ersten sechs Monaten 2018 erreicht. In diese Zahlen fließen allerdings auch sämtliche Verstöße ein, die bei Kontrollen der Straßenbahn registriert wurden. Und da der Neumarkt seit Ende 2017 als zentraler Umsteigepunkt der Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau (SVZ) benutzt wird, ist die Anzahl der Delikte durch Schwarzfahren stark angestiegen. Entsprechend hat die Polizei sämtliche Fahrschein-Delikte herausgerechnet und kommt zu folgenden Zahlen: Im zweiten Halbjahr 2016 wurden 23 Straftaten registriert, im ersten Halbjahr 2018 waren es 74, im ersten Halbjahr 2019 genau 42.


Noch deutlicher fällt der Vergleich der einzelnen Delikte aus. Im ersten Halbjahr 2018 gab es demnach 21 registrierte Körperverletzungen, also fast eine pro Woche. Im ersten Halbjahr 2019 nur noch fünf. Bei den Sachbeschädigungen ist die Tendenz noch deutlicher. Ihre Anzahl fiel von 19 auf zwei. "Damit ist der Abwärtstrend auch statistisch belegt", sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak. Zu den Gründen für den Rückgang gibt es mehrere Überlegungen. Eine Kneipenwirtin am Neumarkt spricht davon, dass einzelne Unruhestifter, die häufig im Mittelpunkt von Auseinandersetzungen standen, inzwischen einfach nicht mehr vor Ort seien. Das habe deutlich zu einer Beruhigung beigetragen. Zudem gab es mehrere Gerichtsverfahren nach Vorfällen am Neumarkt, mindestens drei junge Männer wurden unter anderem wegen Messerangriffen zu Haftstrafen verurteilt.

Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) widerspricht dem Eindruck von Anwohnern, dass sich die Lokalpolitik zu spät um die dortigen Probleme gekümmert habe. Schon seit 2017, als das Muldeparadies als Brennpunkt galt, habe es enge Abstimmungen zwischen Stadtverwaltung, Sozialarbeitern und Polizei gegeben, wie man strategisch zu Ordnung und Sicherheit vorgehen wolle. "Wir als Verwaltung haben das Problem vielleicht nicht so hochgespielt, wie andere politische Kräfte das getan haben", sagt Findeiß. Sie bezieht sich dabei auf eine Ortsbegehung durch die AfD, bei der Probleme eher verschärft als gelöst worden seien. "Unsere Aufgabe besteht stattdessen darin, keine übertriebene Panik zu schüren und stattdessen Maßnahmen zu ergreifen", sagt Findeiß. Das habe man bereits früh im Jahr 2018 getan, allerdings habe es gedauert, bis der Einsatz Früchte getragen habe.

Die Zwickauer Polizei begründet den Rückgang der Straftaten mit dem verstärkten Kontrolldruck. Dazu habe man eng mit der Stadtverwaltung zusammengearbeitet und sei von der sächsischen Bereitschaftspolizei unterstützt worden, sagt Sprecher Wurdak. Mehrere Migranten, die den Neumarkt vor einem Jahr noch regelmäßig aufsuchten, berichteten der "Freien Presse" von teilweise im Stundentakt durchgeführten Identitätskontrollen durch Polizeibeamte.

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