Zwickauer verblüfft: Tausende Saatkrähen in der City

Die Vögel nutzen das Gelände am Schwanenteich als Winterquartier. Sie sind vor allem in großen Schwärmen unterwegs. Doch woher kommen sie?

Zwickau.

Wer in diesen Tagen in der Abenddämmerung in Zwickau unterwegs ist, wird sie schon bemerkt haben: Über der Innenstadt sind etliche Saatkrähen-Schwärme unterwegs. Im Internet grübeln einige Zwickauer: "Ich möchte gern wissen, warum das zur Zeit so schlimm ist." Andere freuen sich: "Ein schöner Anblick."

Vor allem das Gelände um den Schwanenteich haben die bis zu 46 Zentimeter großen Rabenvögel besetzt. Ihre bevorzugten Schlafplätze: große, alte Bäume. Dort sitzen sie vor allem abends dicht gedrängt. Reicht der Platz nicht aus, weichen sie auf Hausdächer aus, wie "Freie Presse"-Leserin Christa Martin vor ein paar Tagen in der Bosestraße feststellte. Von dort aus schwärmen sie am Morgen zur Nahrungssuche ins Umland aus. Doch was hat es auf sich mit den Krähen? Das massenhafte Auftreten der Tiere ist kein neues Phänomen. "Seit Jahren überwintern sie in der Region", sagt Jens Hering, der "Chefvogelkundler" im Landratsamt. "Als Herkunftsgebiete sind Polen und Russland nachgewiesen." Wie viele der schwarzen Vögel mit dem markanten Schnabel Zwickau als Winterquartier gewählt haben, kann niemand so genau sagen. Zählungen gibt es nicht. Die untere Naturschutzbehörde geht von mehreren Tausend Saatkrähen aus, die Mitte Dezember in Westsachsen auftauchen und bis Mitte Februar bleiben. Später gesichtete Schwärme stammen von durchziehenden Krähen.

Die Saatkrähe kann sich nicht nur in Zwickau, sondern in ganz Sachsen sicher fühlen. Auf der Roten Liste der Wirbeltiere ist sie als stark gefährdet eingestuft und streng geschützt. "Wird die aktuelle Gefährdung der Art nicht abgewendet, rückt sie voraussichtlich in die Kategorie 'Vom Aussterben bedroht' auf", sagt Jens Hering.

Trotz des massenhaften Auftretens - die Tiere sind völlig harmlos. "Eine Gefahr geht von ihnen nicht aus", sagt Zwickaus Bürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU). Ebenso wie die Naturschutzbehörde des Landkreises plant auch die Stadt Zwickau keine Maßnahmen gegen die Kräheninvasion. Das Thema werde sich im anstehenden Frühjahr ganz von allein erledigt haben.


Futtersuche in der Stadt

Die als intelligent beschriebenen Saatkrähen ernähren sich im Winter unter anderem von Aas und Haushaltsabfällen. Ihre Nahrung finden sie zunehmend in Städten, nachdem auf dem Land vor allem Deponien, die bisher für Krähen ein Schlaraffenland darstellten, verschwanden. (nkd)

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