In Chemnitz gibt es seit Mittwoch fünf Tempo-Blitzer an drei Standorten. Am häufigsten löste bislang die Anlage an der Stollberger Straße aus.
Ab sofort blitzt es auf dem Südring
Stadt nimmt neue stationäre Messgeräte in Betrieb - Anlagen sollen auch zu Bußgeld-Rekordeinnahmen verhelfen
Chemnitz. Chemnitz. Seit Mittwoch gibt es in Chemnitz zwei weitere stationär betriebene Geschwindigkeits-Blitzer. Nach den Anlagen an der Stollberger Straße sowie an der Zschopauer Straße nahe dem Schwarzen Holz sind nun auch die neuen Blitzgeräte am Südring in Höhe der Brücke Marktsteig in Betrieb. "Punkt 15.30 Uhr wurden die Anlagen scharf geschaltet", sagte Bürgermeister Miko Runkel der "Freien Presse".
In der Ordnungsbehörde betont man, dass die beiden neuen Anlagen am Südring der Vermeidung von Unfällen dienen sollen. "Die Überschreitung der Geschwindigkeit ist Unfallursache Nummer 1", sagt die stellvertretende Leiterin der Bußgeldstelle, Eveline Vogel. Fälle von Raserei gebe es auf dem Südring häufig, so Vogel. Bei den Messungen mit mobilen Anlagen - also aus Autos heraus - habe man Überschreitungen um mehr als 30 Kilometer pro Stunde registriert. Spitzenwert waren 141 Kilometer pro Stunde.
Außerdem verweist man im Ordnungsamt auch auf die Unfallzahlen im Stadtgebiet. Das Niveau sei gleich bleibend hoch, sagt Vogel. Im vergangenen Jahr seien 3818 Unfälle erfasst worden, die schließlich zu Ordnungswidrigkeits- oder Bußgeldverfahren geführt hätten.
Zweifel an den genannten Gründen fürs Blitzen scheinen indes angebracht. "Im Vordergrund steht das Geldverdienen", hatte ein ehemaliger Angestellter des Landratsamtes Stollberg der "Freien Presse" gesagt. Der heutige Rentner war jahrelang mit dem Überwachen der Geschwindigkeit im Erzgebirge betraut. Zudem gilt der Südring auf diesem Abschnitt bisher nicht als Unfallschwerpunkt. Und selbst Bürgermeister Miko Runkel hatte im Frühjahr eingeräumt, die beiden neuen Blitzgeräte auch aus finanziellen Gründen anzuschaffen. Mit Verweis auf die laut Haushaltsplan deutlich gestiegenen Bußgeldeinnahmen sagte er: "Den Großteil zur Steigerung sollen zwei neue stationäre Blitzgeräte beitragen, die wir am Südring in beiden Richtungen aufstellen werden." Die Stadt plant, in diesem Jahr 5,2 Millionen Euro aus der Verkehrsüberwachung einzunehmen - zwei Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr und so viel wie noch nie.
Ein weiterer Aspekt bei der Überwachung ist laut Ordnungsamt der Lärmschutz. "Der Südring ist für 70 Kilometer pro Stunde ausgelegt, da die Lärmschutzmaßnahmen sonst nicht ausreichen", begründet Klaus Reinhold, Sachgebietsleiter Verkehrsüberwachung und Gemeindlicher Vollzugsdienst. Es sei durchaus üblich, Geschwindigkeiten auch wegen des Lärms zu begrenzen. Ein Beispiel sei auch die Zietenstraße, wo maximal 30 Kilometer pro Stunde gelten.
Dass Autofahrer häufig zu schnell unterwegs sind, zeigt laut Ordnungsbehörde auch der stationäre Blitzer an der Stollberger Straße. "Nach der Inbetriebnahme der Anlage im Mai 2008 hat uns erstaunt, wie viele dort zu schnell sind", sagt Reinhold. Allein im vergangenen Jahr habe der Blitzer fast 15.000 Mal ausgelöst. 342.000 Euro spülte allein dieser Blitzer im Vorjahr in die städtische Bußgeldkasse.
Dabei seien die meisten der ertappten Raser bis zu 21 Kilometer pro Stunde zu schnell. Der Anteil derjenigen, die diese Marke noch übertroffen haben, geht laut Ordnungsamt zwar zurück, liege aber immer noch bei acht bis zehn Prozent. "Das ist einfach zu viel", so Klaus Reinhold. Ab einer Überschreitung von 21 Kilometer pro Stunde innerhalb von Ortschaften werden Punkte fällig.
Reinhold ergänzt, dass das Hauptaugenmerk bei der Geschwindigkeitsüberwachung trotz der neuen stationären Anlagen am Südring auch weiterhin die mobile Technik bleibe. Derzeit verfügt das Ordnungsamt über fünf derartige Anlagen - drei Radargeräte sowie zwei Lasermessgeräte. Schwerpunkte der Überwachung blieben nach seinen Worten 30er-Zonen, Umleitungsstrecken, Wohngebiete und die großen Ausfallstraßen. (mit BAG)


