Polizeibeamte in der Nacht zum Samstag vor dem völlig verwüsteten Selbstbedienungs-Raum der Sparkasse an der Zwickauer Straße 173. Links im Hintergrund der gesprengte Geldautomat.
Foto: Haertelpress
Automatenknacker hinterlassen Trümmerfeld
Missglückter Sprengstoff-Anschlag verursacht hohen Schaden an historisch wertvollem Gebäude - Geldkassette bleibt verschlossen
Chemnitz. Chemnitz. Ebenso skrupel- wie erfolglos haben Unbekannte in der Nacht zum Samstag einen Geldautomaten im Sparkassengebäude Zwickauer Straße 173 gesprengt und dabei das historisch wertvolle Haus schwer beschädigt. Das Geld, auf das es die Täter abgesehen hatten, blieb jedoch im Automaten. Denn die Kassette öffnete sich nicht, obwohl der noch nicht identifizierte Sprengstoff das Gerät und einen daneben stehenden Kontoauszugs-Drucker völlig zerstörte.
Durch die Wucht der Detonation flog die Eingangstür auf den Fußweg und gegen einen vor dem Haus geparkten Sattelschlepper. Der gesamte Selbstbedienungs-Raum wurde verwüstet. Auch die hintere Ausgangstür zum Parkplatz an der Voigtstraße und eine Verbindungstür zu Räumen des Jugendamtes wurden herausgesprengt. Gleichzeitig entstand erheblicher Gebäudeschaden an Wänden, Decken und Fenstern im ersten Obergeschoss, teilte die Polizei mit. Die Gesamthöhe des an dem unbewohnten Bürogebäude entstandenen Sachschadens könnten nur Gutachter ermitteln, hieß es.
Die Beamten, die ein zufällig vorbei kommender Taxifahrer am frühen Samstagmorgen gegen 1.15 Uhr alarmiert hatte, fanden den Tatort als Trümmerfeld vor. An den Ermittlungen, die dort am Samstag durchgeführt wurden, beteiligten sich auch Spezialisten vom Landeskriminalamt (LKA). "Unsere Gruppe für Undefinierbare Spreng- und Brandvorrichtungen, kurz USBV, hat die Ermittler der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge unterstützt", bestätigte Kriminalhauptkommissar Stephan Rudolph vom LKA in Dresden. Die Spurensicherung vor Ort sei inzwischen abgeschlossen. "Die Spuren werden jetzt ausgewertet und die Ergebnisse den Chemnitzer Kollegen zur Verfügung gestellt", sagte Rudolph.
Den Verdacht, dass sich solche Geldautomaten-Sprengversuche zu häufen beginnen, wollte der LKA-Beamte nicht bestätigen. Dabei hatte es erst in der Nacht zum 20. Januar in Chemnitz einen ähnlichen Anschlag gegeben, bei dem allerdings weniger Sprengstoff verwendet worden war. Damals war ebenfalls gegen 1 Uhr nachts und erfolglos versucht worden, einen Geldautomaten in einem Selbstbedienungs-Container der Sparkasse an der Heinrich-Schütz-Straße aufzusprengen. Anwohner hatten noch zwei dunkel gekleidete Gestalten wegrennen sehen. Am 3. März war in Sollstedt in Nordthüringen ein Geldautomaten gesprengt und die Geldkassette herausgerissen worden. Am 10. März passierte das gleiche in Krefeld, Ende Januar in Oschatz. Die Frage, ob die Polizei zwischen den Anschlägen einen Zusammenhang vermutet, blieb bisher unbeantwortet.
Das Haus Zwickauer Straße 173 wurde 1926 als Sitz der Mechanischen Wollwarenfabrik von Hans Bernstein errichtet. Es gilt als Beispiel des Expressionismus. Am Sonntag waren die Eingänge der Sparkasse und der Hartz-IV-Arge daneben mit Zäunen abgesperrt, die Tür zum Selbstbedienungs-Raum und das Fenster darüber mit Holzplatten verschlossen. Auf einem Zettel wurden Kunden darauf hingewiesen, dass der Geldautomat "außer Betrieb" sei.


