"Brücke ist nicht zu verhindern"
Einwände der Ottendorfer sollen aber in Plan einfließen
Ottendorf. Ottendorf. Der Fahrplan steht: Ende des Jahres soll Baurecht für eine neue 1,2 Kilometer lange Trasse der S 200 im Lichtenauer Ortsteil Ottendorf bestehen. Dabei soll eine 245 Meter lange Brücke die kurvenreiche Senke der Mittweidaer Straße überspannen. Frühestens 2013 könnte die Straße fertig sein. Auch die Einwände der Anwohner können den Bau nicht verhindern, das ergab ein Erörterungstermin.
"Es wurde keine Einigung erzielt", sagte Olaf Weiß, Sprecher der Landesdirektion Chemnitz. Das sei aber auch nicht zu erwarten gewesen. Das heißt: Die Einwände bestehen weiterhin. Eine endgültige Entscheidung über den Trassenverlauf wird die Landesdirektion mit dem Planfeststellungsbeschluss Ende des Jahres treffen.
Allerdings wolle das Straßenbauamt Chemnitz als Träger des Vorhabens, so Weiß weiter, prüfen, ob durch eine weitere Planänderung auf die Einsprüche eingegangen werden kann. Es sei möglich, dass Beeinträchtigungen für die Anwohner gemildert oder ganz beseitigt würden. Vor allem eine 15-köpfige Interessengemeinschaft hatte ihre Bedenken gegen dieses Projekt beim Erörterungstermin vorgebracht.
"Wir können den Bau nicht verhindern, aber wir hoffen schon, dass auf unsere Belange Rücksicht genommen wird", sagte Bernd Friebel, der im Nebenerwerb Landwirtschaft betreibt. Seit 1754 bewirtschaftet die Familie ein Bauerngut. Mit dem Bau werden die Felder und Wiesen von der Technikhalle abgetrennt. "Mit der bisher geplanten Zuführung sind wir nicht einverstanden", so Friebel. Er bleibt skeptisch, so wie Carla Steger, die eine Bäckerei betreibt: "Auch wenn der Brückenpfeiler jetzt vielleicht ein paar Meter entfernt von unserem Haus stehen könnte, werden wir weiter von diesem Bauwerk beeinträchtigt", sagte die Bäckersfrau. Auch die zu erwartenden Einbußen, weil Laufkunden wegfallen, seien nicht von der Hand zu weisen. "Wenn die neue Straße über unserem Haus entlang führt, wird keiner mehr den Umweg durch das Tal nehmen, um bei uns einzukaufen", so Steger. Ernüchternd sei für sie gewesen, dass die Behörde in fünf Stunden die Gesetze erläutert habe, aber auf die menschlichen Befindlichkeiten nicht eingegangen sei.
Landesdirektions-Sprecher Olaf Weiß unterstreicht abschließend: "Es zeichnet sich ab, dass es in einzelnen Teilbereichen voraussichtlich nochmals eine Planänderung geben wird, die jedoch den Verlauf der Trasse an sich unberührt lassen wird." Es könnte sogar noch einmal eine zweite Anhörung notwendig sein. Bürgermeister Michael Pollok (parteilos) will zur Gemeinderatssitzung am Montag über die nächsten Schritte informieren.


