Haifa ist eine moderne Metropole. Vom Berg Karmel aus ist die Hafenstadt zu sehen.
Foto: Peter Möbius/Archiv
Burgstädter baut für Holocaust-Überlebende
Sächsische Israelfreunde eröffnen Anfang April Begegnungsstätte in Haifa - Handwerker aus der Region helfen ehrenamtlich mit
Burgstädt/Haifa. 70 Handwerker aus Sachsen bauen bis Anfang April eine Begegnungsstätte für Holocaust-Überlebende in Israel auf. Drei Teams sind insgesamt sechs Wochen im Einsatz. Mit dabei waren auch drei Handwerker aus Burgstädt. Klempnermeister Thomas Hofmann ist jetzt mit seinem Gesellen Mirko Gräser vom zweiwöchigen unentgeltlichen Einsatz aus Haifa zurück gekommen. "Wir haben Urlaub genommen und von den Sanitärarbeiten über den Trockenbau bis zu den Maurerarbeiten alles selbst gemacht", sagt Thomas Hofmann, der seit 1981 die gleichnamige Heizungs- und Sanitär-Firma an der Robert-Koch-Straße betreibt.
Wohnräume für 76 Senioren
"Wiedergutmachung an den Opfern des Holocaust - das war in der alten Bundesrepublik selbstverständlich. Doch in der ehemaligen DDR fühlte man sich hingegen zu nichts dergleichen verpflichtet", weiß der 56-Jährige. Nach der Wende sei es der größte Wunsch des Christen gewesen, das Heilige Land, wie die historische geografische Region Israel genannt wird, kennen zu lernen. "Wir haben uns dann den sächsischen Israelfreunden angeschlossen. Seit 2007 fahre ich jedes Jahr für zwei Wochen nach Israel, um Überlebenden des Naziterrors zu helfen", erzählt der Burgstädter.
Zum israelischen Holocaust-Gedenktag am 12. April soll die Begegnungsstätte bezogen werden. Bereits 14 bedürftige Überlebende der Schoah, so das hebräische Wort für Holocaust, dem Völkermord an den Juden, haben bereits in einem von sächsischen Handwerkern gebauten Altersheim ein neues Zuhause gefunden. "Sie gehören zu den Ärmsten der Armen, sind vereinsamt und haben aus ihrer Zeit in den Konzentrationslagern Europas tiefe psychische und physische Verletzungen davon getragen", erklärt Andrea Messig-Wetzel aus Lugau, die den Israelfreunden angehört. Viele hätten aufgrund ihrer traumatischen Erfahrungen nie richtig im Berufsleben Fuß fassen können.
Betreut werden die Überlebenden durch die israelische Partnerorganisation "Helfende Hände". "Mein Herzenswunsch ist es, diesen Menschen, die soviel gelitten haben, in ihren letzten Lebensjahren Würde und Freude zu vermitteln. Ihre Zeit geht zu Ende, sie sind alle weit über 70 und 80 Jahre alt", sagt Schimon Sabag vom Partnerverein. Mit Spenden in Höhe von 160.000 Euro sei neben dem Altenheim ein Haus gekauft worden, das von den sächsischen Handwerkern als Begegnungsstätte umgebaut wird. Im Erdgeschoss entstehen ein Café mit Treff und in den beiden Stockwerken Wohnräume für 76 Senioren. Die ersten 26 Holocaust-Überlebenden sollen im April einziehen.
Thomas Hofmann schildert eine Begegnung mit einem Überlebenden des Naziregimes: "Eigentlich wollte ich nie wieder mit Deutschen reden. Aber die Sachsen machen hier Gutes für uns, und das freiwillig und ohne Geld", sagte Josef Kiistlich, ein Überlebender von Auschwitz mit der KZ-Nummer 4285. Die Begegnung mit Kiistlich sei sehr ergreifend gewesen, erzählt Hofmann.
Jugendzentrum wird saniert
"Glaube kann einfach Bäume versetzen", sagt der Klempnermeister. Deshalb will er auch nächstes Jahr wieder nach Israel reisen, um den Menschen zu helfen. In seinem Fünf-Mann-Betrieb habe man für dieses Engagement viel Verständnis, sagt Hofmann. "Es gibt noch viel zu tun. Über 800 Holocaust-Überlebende stehen auf der Warteliste für einen Heimplatz", erklärt er. Die Handwerker bauen neben dem Projekt in Haifa auch Wohnungen in Jerusalem aus und renovieren ein Jugendzentrum für schwer erziehbare Jugendliche in Sderot. Neben der Arbeitsleistung haben die sächsischen Israelfreunde auch Spenden gesammelt. Insgesamt 8000 Euro kamen zusammen. "Wir wollen mit praktischer Hilfe die Liebe nach Israel bringen und ein Zeichen der Versöhnung setzen", sagt Fliesenleger Michael Sawitzki, der Leiter der sächsischen Handwerkergruppe. Er hat dieses Jahr sechs Wochen unbezahlten Urlaub genommen.
Service
Doron Schneider, Mitarbeiter der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem ist am 21. März, 17 Uhr, zu Gast in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Burgstädt und spricht über "Die Welt - die Christen und Israel".


