Tatort Senefelderstraße, 30. September: Ermittler untersuchen Spuren vorm Balkon der Wohnung, in der Michael K. starb. Foto: Haertelpress/Archiv
Chemnitz: Bluttat in Bernsdorf - Polizei fahndet nach Witwe des Toten
Nach dem gewaltsamen Tod eines 51-Jährigen äußern sich Ermittler über Hintergründe des Falls
Chemnitz. Musste Michael K. sterben, weil er sich scheiden lassen wollte? Für die Chemnitzer Kriminalpolizei spricht mittlerweile einiges für diese Annahme. Deren Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass der 51-Jährige, der am 29. September tot in seiner Genossenschaftswohnung an der Senefelderstraße gefunden worden war, auf Betreiben seiner 24 Jahre jüngeren Ehefrau Hayet K. umgebracht wurde. "Mit Dutzenden von Messerstichen im gesamten Körperbereich", wie Oberstaatsanwalt Bernd Vogel auf Anfrage der "Freien Presse" nun erstmals bekannt gab, nachdem sich die Ermittler zuvor wochenlang in Schweigen gehüllt hatten.
Gegen die gebürtige Tunesierin und einen aus Algerien stammenden Freund der Frau, den 42 Jahre alten Ahmed I., sei wegen dringenden Tatverdachts mittlerweile Haftbefehl erlassen worden, sagte Vogel. Beide werden von Zielfahndern gesucht - Spezialisten, die sich auf das gezielte Aufspüren einzelner Straftäter konzentrieren. Der Mann, der zeitweilig in der Bernsdorfer Wohnung des Opfers gelebt haben soll, sei bereits seit der Bluttat verschwunden. Die junge Frau habe sich einige Zeit später abgesetzt, nachdem sie sich im Laufe ihrer Vernehmungen als Zeugin in eine Reihe Widersprüche verwickelt habe.
Den bisherigen Erkenntnissen zufolge dürfte Hayet K. ihre Ehe mit dem deutlich älteren Chemnitzer vor allem als eine Art Zweckgemeinschaft betrachtet haben - eingegangen in erster Linie, um sich auf diesem Weg ein Aufenthaltsrecht in Deutschland zu sichern.
Doch wegen des dem Vernehmen nach freizügigen Lebenswandels, den die attraktive 27-Jährige gepflegt haben soll, habe sich Michael K. schließlich von ihr scheiden lassen wollen. Für die Frau, die zuvor aus ähnlichen Beweggründen schon einmal für einige Zeit mit einem Deutschen verheiratet gewesen sei, hätte dies die drohende Abschiebung bedeutet. Als Witwe hingegen würden ihre Chancen, dauerhaft in Deutschland bleiben zu dürfen, beträchtlich steigen.
Eine kaltblütige Überlegung, die Oberstaatsanwalt Bernd Vogel der jungen Frau durchaus zutraut. "Sie ist eiskalt, skrupellos und sehr intelligent", urteilt er. Offen sei, ob sie selbst oder ihr Freund Ahmed I. die tödlichen Stiche ausgeführt habe. Am Tatort seien die Spuren beider gefunden und gesichert worden. Die Tatwaffe hingegen ist bis zum heutigen Tag verschwunden.
Verknüpfungen zu einem weiteren Tötungsverbrechen, das sich auf den Monat genau fünf Jahre zuvor unweit von Michael K.s Wohnung in der Nachbarschaft ereignete, halten die Ermittler indes für wenig wahrscheinlich. Damals, im September 2006, war eine 42-jährige Frau mit durchgeschnittener Kehle in ihrer Wohnung an der Vettersstraße aufgefunden worden. Wer für diese Tat verantwortlich ist, wurde nie geklärt. Verbindungen zwischen dem Bekanntenkreis von Michael K. und dem Umfeld der getöteten Frau, über die bereits kurz nach den neuerlichen Verbrechen Ende September spekuliert worden war, bezeichnet die Staatsanwaltschaft als "puren Zufall".


