Fahren mit der CVAG - die Preise steigen teils deutlich.Foto: Truxa/Archiv
Chemnitz: CVAG erhöht Preise gleich doppelt
Kurzstrecken-Ticket wird teurer - Zugleich müssen viele das teurere Stundenticket nutzen
Chemnitz. Chemnitz. Für Ingeburg Schneider ist die angekündigte Preiserhöhung der CVAG ein Skandal. "Wie kann es sein", fragt die Rentnerin empört, "dass die Fahrpreise gleich zweifach steigen?" Bisher habe sie für eine Fahrt von ihrem Wohnort Gablenz bis ins Zentrum ein Kurzstrecken-Ticket genutzt. Das gilt bislang für maximal sechs Haltestellen und kostet 1,20 Euro. Ab Sonntag muss sie nun 1,40 Euro zahlen - ohnehin schon eine Steigerung um fast 17 Prozent.
Doch das ist längst noch nicht alles. Gleichzeitig mit der Preiserhöhung hat die CVAG angekündigt, die Zahl der Haltestellen auf der Kurzstrecke zu reduzieren. Statt bisher sechs Haltestellen können Nutzer dieses Tarifs bisher nur noch maximal vier Haltestellen mitfahren. "Dann muss ich trotz Preiserhöhung zwei Haltestellen laufen oder für 1,80 Euro ein teures Stunden-Ticket kaufen", so Ingeburg Schneider. "Wer denkt sich sowas aus?"
Ausgedacht haben sich das die Verantwortlichen bei der CVAG und beim Verkehrsverbund Mittelsachsen. CVAG-Sprecher Stefan Tschök versucht, die Hintergründe der Entscheidung plausibel zu machen. Er sagt: "Die Kurzstrecke ist dafür gedacht, Fahrgästen, die tatsächlich nur eine kurze Distanz unterwegs sind, eine preiswertere Alternative zu den teureren Stundenfahrscheinen zu bieten." Das bisherige Tarifsystem der CVAG "konterkariert das eigentliche Anliegen, nämlich tatsächlich kurze Fahrstrecken finanziell abzufedern", so Tschök. Tatsächlich verzeichne man bei CVAG die Situation, dass ein Großteil der Ziele in Chemnitz mit dem Kurzstrecken-Ticket erreicht werden könne.
Tschök räumt ein, dass die Reduzierung der Haltestellen-Zahl in diesem Tarif auch bei der CVAG selbst umstritten war. Die Umstellung sei "Ergebnis einer langen und teilweise auch kontrovers geführten Diskussion", sagt der CVAG-Sprecher. Zugleich verweist er auf andere Kommunen. Tschök: "Im Vergleich der meisten Städte in Deutschland gelten Kurzstreckenfahrscheine in der Regel über die Distanz von nur vier Haltestellen."
Stichproben belegen dies - wenn auch zu anderen Konditionen. In Leipzig, Dresden und Halle ist die Zahl der Haltestellen, die maximal mit einem Kurzstrecken-Ticket gefahren werden kann, tatsächlich auf vier begrenzt. Allerdings sind die Preise für das Ticket in den einzelnen Städten unterschiedlich hoch. Während das Kurzstrecken-Ticket in Leipzig mit 1,50 Euro etwas teurer als in Chemnitz, kostet es in Dresden (1,25 Euro) und Halle (1,20 Euro) deutlich weniger.


