Joachim Pilz, Oberbürgermeister 1991-1993.Foto: Wolfgang Ebert/Archiv
Chemnitzer Alt-OB Joachim Pilz gestorben
Früheres Stadtoberhaupt erliegt mit 79 Jahren langer schwerer Krankheit
Der frühere Chemnitzer Oberbürgermeister Joachim Pilz ist tot. Wie die katholische Propstei Chemnitz bestätigte, verstarb der 79-Jährige am 13. Januar nach langer schwerer Krankheit. Pilz war von 1991 bis 1993 das zweite Stadtoberhaupt von Chemnitz in der Nachwendezeit gewesen.
Der CDU-Politiker hatte die Nachfolge seines aus Rheinland-Pfalz stammenden Vorgängers Dieter Noll angetreten, nachdem dieser wegen massiver Rücktrittsforderungen und Vorwürfen der Bestechlichkeit sein Amt hatte niederlegen müssen. "Ich wurde teilweise gedrängt, diesen Posten zu übernehmen", äußerte Pilz später. Während seiner kurzen Amtszeit hatte er sich wiederholt Angriffen ausgesetzt gesehen, er sei entscheidungsschwach und mit den Aufgaben überfordert. "Ich gehöre nicht zu denen, die den Konflikt suchen und die Ellenbogen einsetzen. Auch nicht parteipolitisch", charakterisierte er sich selbst. Nach mehreren gescheiterten Abwahlanträgen reichte Pilz am Ende schließlich selbst ein Entlassungsgesuch ein. Wenig später wurde er
Immobilienbeauftragter der Landesbank Sachsen LB. Noch einmal, so erklärte er Jahre danach in einem Interview, würde er nicht als Oberbürgermeister antreten.
Joachim Pilz, der bis 1990 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungszentrum des Werkzeugmaschinenbaus Karl-Marx-Stadt tätig war, wurde Heiligabend 1932 in einer Kleinstadt in der früheren preußischen Provinz Posen geboren. Als Heimatvertriebener gelangte er nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst nach Leipzig. Seit seiner Jugend hatte sich Pilz in der katholischen Kirche engagiert. Sein Herz schlug vor allem für die Kirchenmusik. Ab Ende der 1990er-Jahre leitete er neun Jahre lang den Diözesanrat des Bistums Dresden-Meißen, ein Gremium von Vertretern aus katholischen Gemeinden und Verbänden, das den Bischof berät. Für seine Verdienste wurde Pilz 2007 von Bischof Joachim Reinelt mit der St.-Benno-Medaille des Bistums ausgezeichnet.
Die Beisetzung des Verstorbenen ist für den 23. Januar, 11 Uhr auf dem Nikolaifriedhof vorgesehen.


