Bis zu 300 Chemnitzer - unter ihnen Stadträte und Vertreter von Bürgerinitiativen - protestierten am Freitagabend gegen die Eröffnung des neuen Schulungszentrums der rechtsextremen NPD im Stadtteil Markersdorf.Foto: Haertelpress
Chemnitzer protestieren gegen Neonazi-Treff in Markersdorf
Mehrere Hundert Menschen versammelten sich am Freitagabend zu einer Mahnwache
Chemnitz. Bis zu 300 Menschen haben am Freitagabend im Stadtteil Markersdorf gegen ein neu etabliertes Zentrum von Rechtsextremisten protestiert. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt versammelten sie sich gegenüber dem von einem führenden Kopf der rechten Szene erworbenen Haus für mehrere Stunden zu einer Mahnwache. Anlass war die für den Abend angekündigte offizielle Eröffnung des in den vergangenen Monaten ausgebauten Zentrums. Dort sollte NPD-Berater Olaf Rose am Freitag einen Vortrag halten.
Als der gegen 19.30 Uhr in einem Auto auf das auffällig gesicherte Gelände gefahren wurde, empfingen ihn von der gegenüberliegenden Straßenseite ein lautes Pfeifkonzert und "Nazis raus"-Rufe. Ähnliches widerfuhr den schätzungsweise 70 überwiegend jungen Besuchern aus der rechten Szene, die sich - zumeist in Gruppen - nach und nach in dem Zentrum einfanden. Laut Polizei gab es in Zusammenhang mit der Kundgebung keinerlei Vorfälle, den Angaben zufolge blieb alles friedlich.
Angemeldet worden war die Mahnwache von Karl-Friedrich Zais, dem örtlichen Landtagsabgeordneten der Linken. Getragen wurde der Protest indes von einem breiten Bündnis verschiedenster Organisationen - von der Gewerkschaftsjugend bis zur Bürgerinitiative aus dem Stadtteil. Noch am Nachmittag hatten Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und die demokratischen Fraktionen des Stadtrates in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufgerufen, auf friedliche Weise gegen den Neonazi-Treff zu protestieren.
"Ich freue mich, dass so viele junge Menschen gekommen sind", sagte eine 71-Jährige, die im Stadtteil Markersdorf zu Hause ist. Es sei "empörend", dass Rechtsextreme in der Nachbarschaft nun eine Art Schulungszentrum etablierten, meinte sie. "Wichtig ist jetzt, dass mehr für die Jugend getan wird, damit die nicht bei denen landet."
Welche Probleme ein Zentrum von Rechtsextremisten mit sich bringen kann, verdeutlichte der Leipziger Student Max Weber in einer kurzen Ansprache am Beispiel des Bürgerbüros der NPD im dortigen Stadtteil Lindenau. Nachdem in dessen Umfeld sich nach der Eröffnung schon bald Übergriffe rechter Schläger gemehrt hätten, habe sich das Haus zu einer Bedrohung für die gesamte Stadt entwickelt, schilderte der 21-Jährige. "Wichtig ist, dass ein breites Bündnis aus der Bevölkerung bei jeder Veranstaltung, die hier stattfindet, etwas dagegensetzt."
Für die kommenden Monate planen Stadtteilinitiativen in Markersdorf eine Aufklärungskampagne über das rechte Zentrum. Zudem soll in Gesprächen mit der Stadtverwaltung und der Kirche erörtert werden, wie künftig mit den ungeliebten Nachbarn umgegangen werden soll. Zum Abschluss der Kundgebung am Freitagabend kurz vor 20Uhr gab es dazu von den Organisatoren bereits eine klare Ansage über Lautsprecher: "Wir kommen wieder, wir lassen euch nicht in Ruhe!"



18:59 Uhr
argus: Politiker der rechten Reichshälfte gaukelten uns bisher vor, das alles sei doch 'halb so schlimm'. Es wird sich schon alles finden, man muss nur den Worten der Politik Glauben schenken. Nach gelegentlich aufrüttelnden politischen Reden wird man alsbald wieder mantrenhaft am Schluss zusammenfassend verkünden: 'Sie sehen, meine Damen und Herren, wir sind auf einem guten Weg!' ' Und das Publikum atmet wieder auf, unerklärlicherweise.
18:33 Uhr
aardvark: Interessant finde ich auch folgenden Zusammenhang:
Bei http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,798627,00.html wird von einem Rechtsrock-Lied berichtet, dass schon vor einige Jahren die Döner-Morde thematisiert habe (Insiderwissen??) und diese CD wurde just von dem Chemnitzer Label verlegt, dessen Besitzer nun das NPD-Haus gekauft und renoviert hat: nachtigall ick hör dir trapsen.....