Die Internationale Raumstation ISS ist auch ein Forschungslabor, in dem unter anderem mit Krebs-Eiern aus Chemnitz experimentiert werden soll.
Foto: Nasa
Die Reise der Chemnitzer Krebs-Eier
Triops-Eier aus dem Naturkundemuseum befinden sich für Forschungsprojekt an Bord der Weltraumstation ISS
Chemnitz. Chemnitz. Thorid Zierold rührt vorsichtig mit einer Pinzette im Wasser des Plastikbechers, um Klein-Triops aufzuscheuchen. "Komm, zeig dich doch nochmal", sagt sie bittend. Doch außer einem braunen Klümpchen Erde, das im Wasser langsam auseinander treibt, sieht man nichts. Vielleicht will Klein-Triops einfach mal seine Ruhe haben, nachdem er in den vergangenen Wochen beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln einiges aushalten musste. Dass er da offenbar keinen Schaden erlitten hat und zurück in Chemnitz in einem Plastikbecher schwimmen kann, ist nämlich ganz erstaunlich.
Seit Jahren erforscht Thorid Zierold, Vize-Chefin des Naturkundemuseums im Tietz, die Lebensbedingungen der Triops-Krebse. Die etwa 1,5 Zentimeter kleinen Tiere sind sogenannte Urzeit-Krebse, da es sie seit 220 Millionen Jahren in unveränderter Gestalt auf der Erde gibt; bis heute existieren sie weltweit. Zwar leben die Tiere nur etwa zwei Monate, aber die sandkornkleinen Eier, die sie legen, gelten als besonders robust: Nach derzeitigem Stand können sie 80 Jahre überdauern, zum Beispiel bei extremer Trockenheit - würde ein Ei danach wieder mit Wasser in Berührung kommen, könnte der Krebs noch immer schlüpfen, erklärt Zierold. Auf einer Wissenschaftstagung war sie mit Kollegen aus der Weltraumforschung auf die Idee gekommen, das Thema auszuweiten: Würden die Eier auch einen Ausflug ins lebensfeindliche All überstehen? Aus dieser Frage entstand ein ambitioniertes Forschungsprojekt: Anfang des Jahres schickte Zierold 3500 Eier nach Russland, wo sie seitens der russischen Weltraumbehörde an Bord einer Rakete mit zur Internationalen Weltraumstation ISS genommen wurden; 1600 weitere Eier schickte Zierold an das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt nach Köln. Während der Beginn der Forschung im All nun kurz bevor steht, sind jetzt die in Köln getesteten Eier zurück gekommen.


