Hildegard Geisler (links) mit Tochter Turid und Susann Seidel mit Sohn Lennard vor der Kindertagesstätte Schulstraße 35 in Altchemnitz. Sie sorgen sich um die Qualität der Betreuung ihrer Kinder.
Foto: Andreas Truxa
Eltern klagen: Kindergärten zu eng
Babyboom dank Elterngeld sorgt für volle Tagesstätten - Gemeinschaftsräume werden zu Gruppenzimmern
Chemnitz. "Schön, dass die Kindertagesstätte ,Lupino' mathematisch-naturwissenschaftliche Angebote hat", findet Hildegard Geisler. Sie hofft, dass der Einrichtung an der Neuen Straße in Reichenbrand nicht das gleiche Schicksal droht wie dem "Zwergenland" an der Schulstraße in Altchemnitz. Denn am Tag der Wiedereröffnung des "Lupino" hätten die Altchemnitzer Eltern erfahren, dass der Mathe-King-Raum und das Märchenzimmer im "Zwergenland" zu Schlaf- und Gruppenräumen umfunktioniert werden sollen.
Nach nicht einmal drei Jahren verschwinde der Mathe-King-Raum wieder, der von engagierten Erzieherinnen und Eltern mithilfe von öffentlichen und Sponsorengeldern eingerichtet worden sei. In dem Raum konnten die Mädchen und Jungen wiegen, messen, sortieren und experimentieren. 2007 und 2008 hatte die Tagesstätte für dieses naturwissenschaftliche Engagement den Chemnitzer Umweltpreis erhalten.
Den künftig 75 Kindern im "Zwergenland" stünden laut Hildegard Geisler nur noch ein Mini-Werkraum für maximal drei Kinder und ein 34 Quadratmeter großes kombiniertes Mathe-Kunst-Musik-Experimentier-Atelier zur Verfügung. Mit 35 Quadratmeter großen Gruppenräumen für jeweils 15 Kinder unterschreite die städtische Einrichtung zudem eine Empfehlung des sächsischen Sozialministeriums, wonach pro Kind 2,5 Quadratmeter erforderlich sind.
"Wegen des sehr großen Bedarfs an Plätzen für Kinder unter drei Jahren müssen wir alle freien Kapazitäten nutzen", entschuldigt "Zwergen- land"-Leiterin Simone Uhlig die Umnutzung der Funktionsräume. Ab 1. Februar soll eine zweite Gruppe im Krippenalter gebildet werden. Die Belegung der Kita steige von 70 auf 75 Kinder. Das Märchenzimmer und die Einrichtung des Mathe-King-Raumes, die ins Atelier gestellt wird, würden aber allen Kindern zugänglich bleiben, versichert sie.
Das "Zwergenland" ist offenbar kein Einzelfall. Man sei dabei, alle räumlichen und personellen Kapazitätsgrenzen in den betriebenen Kindertagesstätten auszureizen, hieß es bei der Chemnitzer Arbeiterwohlfahrt und dem Verein Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Das Jugendamt der Stadt schaffte es von Montagmittag bis Dienstagnachmittag nicht, Fragen der "Freien Presse" zu dem Thema zu beantworten.


