Rapsernte Rapsernte auf einem 15 Hektar großen Feld in Pleißa: Falko Ahner kontrolliert den Mähbalken seines Mähdreschers.

Foto: Andreas Truxa

Ernte zwischen Regenschauern

Das wechselhafte Wetter wird für die Bauern rund um Chemnitz zum Problem

Limbach-Oberfrohna. Getreide, Raps und Grassamen auf den Feldern in der Region sind reif, doch die begonnenen Erntearbeiten kommen nur stockend voran. "Zehn Tage trockenes Sommerwetter, und alles wäre erledigt", sagt Dietmar Uhlmann, Geschäftsführer von Multi-Agrar in Claußnitz.

Noch hat er Hoffnung, dass es eine zufrieden stellende Ernte wird. Bisher war es für die Landwirte allerdings ein Wettlauf mit dem Wetter. Da es immer nur wenige Tage, manchmal nur wenige Stunden, trocken war, bevor der nächste Regen einsetzte, haben die Claußnitzer erst knapp ein Drittel von etwa 300 Hektar Raps geerntet. Die Wintergerste und die Grassamen sind eingebracht, aber rund 500 Hektar Weizen stehen noch. "Die Zeit drängt", sagt Uhlmann. Können Raps und Weizen nicht bald eingefahren werden, drohten Qualitätsverlust und Ernteausfälle. Zudem müssten die Felder im August für die Neuaussaat vorbereitet werden. Sonst fehle der nächsten Pflanzengeneration die Zeit, die sie brauche, "um ausreichend gestärkt in den Winter gehen zu können", so Uhlmann.

Die Verzögerung bei der Getreide- und Rapsernte macht auch dem Leiter der Pflanzenproduktion im Wirtschaftshof Sachsenland Röhrsdorf-Wittgensdorf, Holger Hermsdorf, zu schaffen. Er muss den Einsatz von 20 Mitarbeitern und drei Mähdreschern koordinieren. Dafür sind er und ein zweiter Mann derzeit täglich von früh bis spät mit Messgeräten auf den Feldern rund um Chemnitz und Limbach-Oberfrohna unterwegs.

Der Feuchtigkeitsgehalt des Getreides müsse ständig neu gemessen werden. Bei Weizen dürfe er nicht über 16 Prozent liegen, bei Raps sei die Grenze neun Prozent, so Hermsdorf. Sonne und Wind arbeiteten für die Bauern. Niederschläge stellten die Landwirte dagegen ständig vor neue Herausforderungen. "So schnell und oft, wie sich die Situation ändert, können die Mähdrescher gar nicht hin und her fahren", sagt Hermsdorf. Ein hoher Anteil kleiner Anbauflächen im Umfeld der Städte mache die Lage zusätzlich kompliziert. Ausfälle befürchtet Hermsdorf insbesondere beim Brot-Getreide. Die mehr als 400 Hektar Weizen des Wirtschaftshofes würde er lieber heute als morgen ernten. Doch gerade der Weizen trockne nur schwer ab. Müsse nass gedroschen werden oder bleibe das reife Getreide zu lange auf dem Acker, komme es zur Qualitätsminderung. Statt für die Bäckerei tauge der Weizen dann vielleicht nur noch als Viehfutter, fürchtet der Absteilungsleiter.

Der Verkauf würde dadurch deutlich weniger einbringen. Das Wetter in den kommenden Tage werde seiner Ansicht nach entscheidend für den Ertrag sein.

Klaus Weinhold, Geschäftsführer der Technofarm Neukirchen-Adorf, schätzt die Lage ähnlich ein. Er sorgt sich um Sommergerste, die noch zu etwa zwei Dritteln auf den Feldern steht, sowie um Raps, Gräser- und Rotkleesamen. "Wenn das reife Erntegut immer wieder nass wird und zu lange draußen stehen bleibt, müssen wir unsere Erwartungen an Qualität und Ertrag reduzieren", sagt er. Beim Getreide könnten sich Pilzkrankheiten ansiedeln oder Ähren abknicken, sodass sie auf dem Boden liegen und bei der Ernte von der Maschine nicht mehr erreicht werden. Auch bestehe Gefahr, dass Getreidekörner oder Samen aufgrund feuchter Witterung bereits zu keimen beginnen.

Wenigstens bei Grassamen seien die Landwirte im Wirtschaftshof Sachsenland nicht mehr ausschließlich vom Wetter abhängig. "Wir nutzen zum Trocknen Wärme aus unserer Biogasanlage in Wittgensdorf", berichtet Hermsdorf. Mit "schlagkräftiger Technik", unter anderem neuen Dreschmaschinen, könnten zudem auch kurze Schönwetterperioden besser als je zuvor für die Ernte ausgenutzt werden. "Wetterextreme werden zunehmen. Daran müssen wir auch denken, wenn es um neue Maschinen oder Technologien geht", meint er.

 
erschienen am 09.08.2011 ( Von Rita Türpe )
 
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