Der Morgen: Die Skulpturengruppe soll Erwachen und Tatkraft symbolisieren. Eine Frau atmet durch, ein Mädchen schnürt die Sandalen, ein zweites gießt Blumen.
Foto: Stadt / Archiv
Feuchte Kompressen für Schilling-Figuren
Stadtverwaltung will "Vier Tageszeiten" am Schloßteich ab Ende September restaurieren lassen - Fertigstellung für Juni 2011 geplant
Chemnitz. Chemnitz. Noch in diesem Monat soll die Sanierung der berühmten Schillingschen Figuren im Schloßteich-Park beginnen. Das hat die Stadtverwaltung am Montag angekündigt. Rund 70.000 Euro, davon 20.500 Euro Denkmalschutz-Fördergelder, stehen bereit, um das aus vier Skulpturen bestehende Ensemble namens "Vier Tageszeiten" sowohl steinrestauratorisch als auch steinbildhauerisch zu sanieren, teilte die Pressestelle des Rathauses mit.
Die Arbeiten sollen bis Juni 2011 abgeschlossen sein. Diese relativ lange Zeit ist laut Stadtverwaltung erforderlich, um den Sandstein möglichst schonend restaurieren zu können. So müsse Teilfächen der von Johannes Schilling (1828-1910) in den Jahren 1866 bis 1871 geschaffenen Statuen in mehreren Arbeitsgängen Salz entzogen werden. Dazu werden Kompressen jeweils etwa zwei Wochen lang feucht auf die Steinoberflächen gelegt. Für die Nachbildung angebrochener Sandstein-Teile dienen die Bronzeabgüsse der Figuren als Vorlage, die in Dresden stehen. Somit sei ein originalgetreuer Ersatz gewährleistet, versichert die Pressestelle.
Den Auftrag hat das Chemnitzer Grünflächenamt den Firmen Fuchs und Girke aus Ottendorf-Okrilla sowie Christoph Hein aus Dresden übertragen. Das Dresdner Büro Heidelmann und Klingebiel, das über umfangreiche Erfahrungen bei der Sanierung von Sandstein-Reliefs und -Figuren verfügt, wird die Ausführung überwachen.
Die Sanierung der Schilling-schen Figuren ist der Stadtverwaltung zufolge dringend erforderlich, weil sich ihr Zustand in den vergangenen Jahren zunehmend verschlechtert hatte. Neben Vandalismus und Graffiti hätten Witterungseinflüsse den Sandsteinfiguren zugesetzt.
Bereits 2008 habe das Grünflächenamt deshalb von einem fachkundigen Büro eine Restaurierungskonzeption erarbeiten lassen. Dafür seien sämtliche Schäden, wie Verschmutzung, Bewuchs, Krustenbildung, oberflächliche Verwitterung und Fehlstellen, penibel erfasst sowie notwendige Sanierungsleistungen aufgezeigt worden. Auf der Grundlage dieser Restaurierungskonzeption sei die Sanierung im vergangenen Jahr vorbereitet worden. Genehmigungen und Zustimmungen wurden eingeholt sowie Fördermittel beantragt.
Die Figurengruppe "Vier Tageszeiten" war von Johannes Schilling ursprünglich für die Treppe der Brühlschen Terrasse in Richtung Theaterplatz in Dresden geschaffen worden. Die Skulpturen aus Postaer Elb-Sandstein symbolisieren die Tageszeiten "Morgen", "Mittag", "Abend" und "Nacht". Experten zählen sie zu den deutschlandweit besten künstlerischen Leistungen des 19. Jahrhunderts dieses Genres. Für die beiden erstgefertigten Skulpturen "Der Abend" und "Die Nacht" erhielt der Bildhauer, der aus Mittweida stammte, 1869 auf der Wiener Kunstausstellung den ersten Preis.
Die feuchte Luft am Elbufer begann jedoch schon nach wenigen Jahren, den Sandstein der Figuren zu zersetzen. Daraufhin schenkte König Albert die Originale 1898 der Stadt Chemnitz. Nachdem die Figuren an der Treppe zur Brühlschen Terrasse durch Bronzeabgüsse ersetzt waren, kamen die Sandsteinskulpturen nach Chemnitz und wurden zunächst an der Treppe zum Theaterplatz aufgestellt. 1928 mussten sie dort dem Neubau des Hotels Chemnitzer Hof weichen und wurden 1936 an den Aufgang vor der Brunnenanlage im Schlossteich-Park umgesetzt.


