Grüne befürchten Aus für Umweltzentrum

Das Rathaus treibt die Zusammenführung der Einrichtung mit dem Botanischem Garten voran

Chemnitz. Ein Kind der friedlichen Revolution 1989 bangt um seine Zukunft: Das städtische Umweltzentrum auf dem Kaßberg soll mit dem Botanischen Garten an der Leipziger Straße in einer gemeinsamen Einrichtung zusammengeführt werden. Mit diesen zuletzt in der Debatte um das Spar- und Haushaltssicherungskonzept Ekko diskutierten Plänen soll sich in zwei Wochen der Stadtrat befassen.

Anlass ist ein Antrag der SPD. Sie will die Verwaltung auffordern, bis März eine Konzeption zur Zukunft des Umweltzentrums vorzulegen. Geklärt werden soll unter anderem, welche seiner Angebote bei einer Zusammenlegung mit dem Botanischen Garten erhalten werden, welche an Naturschutz- und Umweltverbände abgegeben werden können - oder ganz wegfallen würden.

In dem in einer sanierungsbedürftigen ehemaligen Villa der DDR-Staatssicherheit ansässigen Umweltzentrum haben rund 15 vornehmlich ökologisch orientierte Gruppen, Vereine und Initiativen ihr Domizil. Zudem ist dort eine Umweltbibliothek mit rund 8500Medien untergebracht sowie das Büro der lokalen Agenda21, eines Aktionsbündnisses für nachhaltige Entwicklung in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Soziales.

Betreut wird das Umweltzentrum von zwei Mitarbeitern der Stadt. Im Entwurf des Haushalts für 2012 allerdings sind diese beiden Stellen bereits mit einem sogenannten kw-Vermerk versehen - für "künftig wegfallend". Für die Chemnitzer Bündnisgrünen ein Alarmsignal. "Das steht im Widerspruch zu allen Bekundungen, dass das Umweltzentrum erhalten bleibt", meint Katharina Weyandt, die Vorsitzende des Stadtverbandes. Sie fürchtet, dass sich Fragen nach der künftigen inhaltlichen Arbeit gar nicht mehr stellen werden, wenn die beiden Personalstellen erst einmal zur Streichung freigegeben sind. Eine Versetzung des Leiters des Umweltzentrums, Manfred Hastedt, in den Botanischen Garten wäre dann wohl nur noch eine Frage der Zeit, so ihre Befürchtung. Dessen Chef nämlich scheide bald altersbedingt aus.

Die Grünen haben sich deshalb nunmehr an die Chemnitzer Sozialdemokraten gewandt - mit der Bitte, sich gemeinsam für eine Streichung der kw-Vermerke für die beiden Mitarbeiter des Umweltzentrums starkzumachen. SPD-Fraktionschef Axel Brückom sieht das Ganze jedoch deutlich entspannter. Er hält die Zusammenlegung von Umweltzentrum und Botanischem Garten für eine zumindest diskussionswürdige Option. "Allerdings muss die Verwaltung erst einmal alle Fakten auf den Tisch legen, ehe wir uns dazu positionieren können", sagte er.

Für Verwunderung unter den Genossen sorgt die Art und Weise, wie die Grünen ihr Anliegen an sie herangetragen haben. Nämlich in Form eines offenen Briefes, der am Dienstag auch an die Medien versandt wurde. Ein Vorgang, wie ihn Axel Brückom nach eigenem Bekunden so noch nicht erlebt hat: "Keine Ahnung, was das soll."

 
erschienen am 10.01.2012 ( Von Michael Müller )
 
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