Thomas Kiesel (2. von l.) hatte seine Kinder Elisabeth und Hans-Jakob ins Rathaus mitgebracht, als er sich im Beisein von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Protokoll-Chef Rainer Gelhar (links) ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Kiesel wurde geehrt für sein couragiertes Einschreiten.
Foto: A. Seidel
"Ich würde wieder so handeln"
Stadt und Freistaat ehren Chemnitzer - Er verhinderte eine Straftat und wurde dabei verletzt
Chemnitz. Der Fall erinnert an das Gewaltopfer Dominik Brunner aus München: Ein Mann bewahrt im Chemnitzer Hauptbahnhof vier Schüler vor einem Überfall, wird von den Tätern selbst angegriffen und dabei schwer verletzt. am Mittwoch erhielt er im Rathaus das Lebensrettungsehrenzeichen des Freistaats Sachsen und durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen.
Rückblende: Am Abend des 25. Februar wartet der 47-jährige Thomas Kiesel aus Chemnitz in der Halle des Hauptbahnhofs. Er will seine Ehefrau vom Zug abholen, die in einem Zwickauer Krankenhaus als Ärztin arbeitet. Da bemerkt er, wie zwei junge Männer vier Schüler bedrängen. "Sie wollten einem der Jugendlichen wohl das Handy wegnehmen", erinnert sich der elffache Vater. Kiesel entscheidet sich einzugreifen. "Ich rief ,Hilfe, Polizei', um auf die Situation aufmerksam zu machen", berichtete der 47-Jährige. Die beiden Männer hätten ihn daraufhin beschimpft, doch davon ließ sich Kiesel nicht beeindrucken. Seinen Mut muss er allerdings teuer bezahlen: Die Täter traktierten ihn mit Faustschlägen und Tritten, Kiesel trägt Blutergüsse und Schwellungen im Gesicht davon.
Er sei sich eigentlich sicher gewesen, dass er mit der Situation umgehen kann, weil er in seiner zehnjährigen Dienstzeit bei der Bundeswehr eine umfangreiche Nahkampfausbildung absolviert habe. "Ich habe die Schläge der Täter nur abgewehrt, weil ich eher Angst hatte, sie ernsthaft zu verletzen, wenn ich zuschlage", sagte er. Und ja, er würde wieder so handeln, fügte er hinzu. "Ich will in einer Gesellschaft leben, die besser ist, wie sie jetzt ist", begründete er fast ein wenig pathetisch. Dazu gehöre auch, dass man einschreite, wenn wehrlose Personen attackiert werden. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig nannte sein Eingreifen "eine bemerkenswerte, couragierte Tat".
Auch bei der Bundespolizei ist man überzeugt davon, dass der 47-Jährige richtig gehandelt hat, obwohl er sich letztlich selbst in Gefahr brachte. "Als erwachsener Mann kann man da schon dazwischen gehen", sagte Mario Herold von der Bundespolizeidirektion Chemnitz und fügte hinzu: "Wir als Polizei können nicht überall sein und sind auf solche couragierten Bürger angewiesen." Nach dem Einschreiten Kiesels konnte die Polizei die 24 und 26 Jahre alten Männer noch im Bahnhof festnehmen. Die Staatsanwaltschaft will in den nächsten Tagen Anklage gegen die beiden erheben.


