Weil er sich nicht verkaufen ließ, will die Genossenschaft WCH den Block Paul-Bertz-Straße 9 bis 11 jetzt abreißen lassen.
Foto: Andreas Truxa
Letzter unsanierter Block soll fallen
Wohnungsbaugenossenschaft plant Abriss eines Neungeschossers in Helbersdorf - "Sanierung unwirtschaftlich"
Chemnitz. Chemnitz. Das Wohnhaus Paul-Bertz-Straße 9 bis 11 soll abgerissen werden. Das hat die Wohnungsbaugenossenschaft Chemnitz-Helbersdorf (WCH) den Mietern jetzt per Brief angekündigt. Zugleich wurde ihnen mitgeteilt, dass zum September die Mietverträge gekündigt werden. "Dabei wurde noch vor einem Dreivierteljahr gesagt, dass dieses Haus zum Kernbestand der Genossenschaft gehört", berichtet ein Mieter, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben will, der "Freien Presse".
Der Mann ist nach eigenen Angaben vor 36 Jahren als Erstmieter in den Neungeschosser gezogen - und will dort wohnen bleiben. Ihm gefalle das Wohnumfeld, die umliegenden Häuser seien saniert, ein Versorgungszentrum liege in der Nähe. Außerdem habe er sich seine Wohnung nach seinen Wünschen eingerichtet. Statt den Block abzureißen, solle die WCH lieber in das Gebäude investieren. Eine Sanierung sei vor Jahren für 2009 angekündigt gewesen. Passiert sei allerdings nichts.
Wie der Vorstand der WCH auf Anfrage mitteilt, habe es für dieses letzte noch unsanierte Wohnhaus der Genossenschaft schon länger zwei Optionen gegeben: an einen regionalen Investor verkaufen oder abreißen. So habe man es den Mietern der Paul-Bertz-Straße 9 bis 11 im Juli vergangenen Jahres schriftlich mitgeteilt. Potenzielle Käufer habe es gegeben. Bedingt durch die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise hätten diese jedoch ihre Kaufabsichtserklärung zurück gezogen, heißt es vom Vorstand. Man bedaure dies, ein Verkauf wäre der Genossenschaft lieber gewesen, weil das Gebäude dann erhalten geblieben wäre.
Dass die Genossenschaft das Gebäude saniere, komme allerdings nicht infrage. Zwei Millionen Euro müsste in den Um- und Ausbau des Neungeschossers gesteckt werden. Das sei jedoch wirtschaftlich unsinnig angesichts der etwa 30.000 leer stehenden Wohnungen in Chemnitz. Diesem Überangebot an Wohnraum müsse auch die WCH Rechnung tragen. Ein Abriss des unsanierten Gebäudes an der Paul-Bertz-Straße sei unumgänglich.
2011/2012 soll der Block fallen. Bis zum 30. Juni 2011 hätten die Mieter jedoch Zeit, sich eine neue Wohnung zu suchen und auszuziehen. 72 Wohnungen gebe es in dem Haus Paul-Bertz-Straße 9 bis 11. Etwa 30 Wohnungen stünden leer, teilt die Genossenschaft mit.
Mit den verbliebenen Mietern würden schon Gespräche geführt, bei denen man ihnen modernisierte Alternativwohnungen in der unmittelbaren Umgebung anbiete. Umzugskosten würden übernommen. Annähernd ein Viertel der angesprochenen Mieter habe sich nach Vorstands-Informationen bereits für eine andere Wohnung aus dem Bestand der Genossenschaft entschieden. Der Unmut mancher Mieter über den unfreiwilligen Umzug sei verständlich. Aus wirtschaftlicher Sicht gebe es für die Genossenschaft jedoch keine Alternative.
Die WCH hat nach eigenen Angaben etwa 4400 Mitglieder und verwaltet mehr als 4150 eigene Wohnungen und Gewerbeeinheiten in Helbersdorf, Kappel und Morgenleite. Der durchschnittliche Leerstand liege unter zehn Prozent. In den Jahren 2009 und 2010 seien bislang rund sechs Millionen Euro in die Modernisierung des WCH-Bestands investiert worden.


