Der Demonstrationszug kurz nach dem Start am Hauptbahnhof. Viele Teilnehmer trugen Transparente mit Aufschriften, wie "Stadt der Moderne hat Jugend nicht gerne", "Warum gibt uns Chemnitz keine Chance?" oder "Ich bin mehr wert als Touristen".
Foto: Andreas Seidel
Protestzug durch die City bei Dauerregen
700 Demonstranten wenden sich gegen weitere Einschnitte bei alternativen Jugendprojekten - Verkehr in der Innenstadt zeitweise lahmgelegt
Chemnitz. Annähernd 700 überwiegend junge Leute haben am Dienstagnachmittag bei Dauerregen gegen die Absicht der Stadtverwaltung protestiert, die Zuschüsse für zehn Kinder- und Jugendprojekte im nächsten Jahr zu kürzen. Die Demonstranten zogen zwischen 16.30 und 18 Uhr begleitet von etwa 200 Polizisten vom Hauptbahnhof zum Moritzhof und von dort weiter über die Zentralhaltestelle zum Roten Turm. Dabei kam es zu erheblichen Behinderungen des Auto-, Bus- und Straßenbahnverkehrs.
"Die Kürzungen treffen in Chemnitz immer die gleichen, meist die alternativen Projekte", kritisierte Jan Koch vom Netzwerk für Kultur und Jugendarbeit, das die Organisatoren vom Alternativen Jugendzentrum (AJZ) bei der Vorbereitung der Protestaktion unterstützt hatte. Auch diesmal bekomme das AJZ mit der Reduzierung von Zuschüssen für drei Projekte die größten Einschnitte aufgebürdet. "Im Kinder- und Jugendhaus Benario am Brühl werden uns beide Stellen gestrichen, im Jugendzentrum an der Chemnitztalstraße eine von zweieinhalb Stellen und dann noch eine von drei Streetworker-Stellen im Stadtzentrum. Das bedeutet kürzere Öffnungszeiten, weniger Kreativangebote und weniger Arbeit mit Jugendlichen auf der Straße", sagte Enrico Glaser vom AJZ-Vorstand. Dabei sei das AJZ das soziokulturelle Zentrum von Chemnitz. "Dort sind schon so viele junge Menschen sozialisiert worden. Es ist der einzige Konzertplatz für alternative Musik in der Stadt", begründete ein Demonstrant seinen Protest.
Andere Projekte fürchten sogar um ihre Existenz. "Mit einer Teilzeit- statt zwei vollen Stellen kann man kein Theater mehr organisieren. Das Geld, das wir 2010 noch bekommen sollen, reicht nur bis Mai", sagte Liane Günther vom Armen Theater. "Wir hätten wenigstens Zeit gebraucht, um andere Förderer zu finden", hieß es von der Kindervereinigung. Am 8. Dezember soll der Jugendhilfeausschuss und im Januar 2010 der Stadtrat über die Kürzungen beraten.
Laut Polizei verlief der Protest friedlich. Die Ordnungshüter registrierten bis zum Abend lediglich zwei zerkratzte Polizeiwagen.


