Mit Interesse verfolgten die Chemnitzer die Sanierung der vom Verfall bedrohten Villa Zimmermann - hier ein Foto vom Tag des offenen Denkmals 2009. Die Zukunft des Prunkbaus bleibt vorerst ungewiss.
Foto: Andreas Seidel/Archiv
Prunkbau als Fall für die Justiz
Hängepartie um die Zukunft der Villa Zimmermann geht weiter
Chemnitz. Zwei zumindest formell voneinander unabhängige Bieter, zwei Gebote von beträchtlichem Unterschied und dennoch kein rechtskräftiger Zuschlag: Der Versuch, für die unter Zwangsverwaltung stehende Villa Zimmermann an der Carolastraße per Zwangsversteigerung einen neuen Eigentümer zu finden, ist Donnerstagvormittag ohne eine Entscheidung über die Zukunft des neogotischen Prunkbaus zu Ende gegangen. Das Gericht wies die beiden einzigen abgegebenen Gebote zurück. Möglicherweise muss nun das Landgericht Chemnitz über den weiteren Verfahrensgang entscheiden.
Das erste Gebot für die fast 150 Jahre alte Villa, deren Verkehrswert nach einer Schätzung vom Frühjahr bei 1,74 Millionen Euro liegt, wurde von einer jungen Frau aus Chemnitz abgegeben und belief sich auf 13.000 Euro. Auf diese Höhe war vom Gericht jener Betrag festgesetzt worden, der bei der Erteilung des Zuschlags in bar zu zahlen gewesen wäre. Weil die Dame - eine nach eigenen Angaben als Model tätige Diplom-Betriebswirtin - die geforderte Sicherheitsleistung nicht erbringen konnte, wurde ihr Gebot jedoch umgehend zurückgewiesen.
Lange Zeit passierte daraufhin nicht viel im mit gut 20 Anwesenden gefüllten Saal 2.108 des Amtsgerichts. Bis kurz vor Ablauf der 30-minütigen Frist ein Begleiter der Bieterin, seines Zeichens Inhaber eines großen Chemnitzer Automobilhandels, als Vertreter einer noch in Gründung befindlichen Aktiengesellschaft ein weiteres Gebot anmeldete - über eine Million Euro. Doch auch seine Offerte wurde von der mit der Versteigerung beauftragten Rechtspflegerin zurückgewiesen. Begründung: Die erst vor einigen Monaten aus der Taufe gehobene Aktiengesellschaft - Unternehmensschwerpunkte: Immobilien, erneuerbare Energiequellen und Umwelt, Import und Export von Maschinen - erfülle noch nicht die Voraussetzungen, um das Gebot zulassen zu können.
Diesmal allerdings regte sich Widerstand. Der Anwalt des Geschäftsmannes, der auch die erste Bieterin bei der Abgabe ihrer Offerte begleitet hatte, legte gegen die Zurückweisung umgehend Widerspruch ein. Zwei Wochen hat er laut Gerichtssprecher Marcus Gnad nun Zeit, um beim Landgericht Beschwerde einzulegen. Bis dahin gilt das Zwangsversteigerungsverfahren als einstweilig eingestellt, die auf den Tag genau ein Jahr zuvor erfolgte Beschlagnahme der Immobilie bleibt vorerst weiter bestehen.
Die Zwangsversteigerung der ab dem Jahr 2007 umfassend renovierten Villa Zimmermann war in die Wege geleitet worden, nachdem sich deren Zwangsverwalter über Monate hinweg vergeblich um einen Erwerber bemüht hatte. Gespräche mit einem auswärtigen Interessenten blieben ohne Ergebnis. Zuvor waren mehrere Anläufe einer gastronomischen Nutzung des Kleinods gescheitert. Schon bald nach der Eröffnung des als Diskothek und Restaurant genutzten Hauses gingen Ende 2008 in der denkmalgeschützten Villa die Lichter wieder aus. Auch einem zweiten Anlauf mit neuem Konzept Monate später war wenig Erfolg beschieden.
Was die am Donnerstag in Erscheinung getretenen Interessenten mit der Villa im Falle eines Erwerbs vorhaben, dazu wollen sich zum jetzigen Zeitpunkt weder der Vertreter der in Gründung befindlichen Aktiengesellschaft noch dessen Anwalt äußern. Der Hauptgläubiger in dem Zwangsversteigerungs-Verfahren, die Volksbank Mittweida, hätte nach Angaben eines Sprechers dem letztlichzurückgewiesenen Gebot zugestimmt. Die Stadt Chemnitz, die ebenfalls als Gläubigerin in das Verfahren involviert ist, war bei dem Termin nicht vertreten. Sie macht nach Angaben des Gerichts für die Immobilie ausstehende Grundsteuern in Höhe von mehreren tausend Euro geltend.


