Salonkonzert für einen 150-Jährigen
Ein seit 97 Jahren vergessenes Musikstück wird zum Stadtfest aufgeführt: Ehrung für 1859 in Mohsdorf geborenen Künstler Hugo Türpe
Burgstädt. Erstmals seit fast 100 Jahren wird zum Burgstädter Stadtfest bei einem Salonkonzert á la 1882 das Musikstück "Fantasia Apassionata" wieder aufgeführt. Nicht nur dieses Werk, das letztmalig 1912 in Zürich gespielt worden sei, hat der Burgstädter André Teichmann aus der Versenkung geholt, sondern ebenso den vergessenen Komponisten.
Seit Jahren beschäftigt sich der Burgstädter Architekt mit dem am 3. September 1859 in Mohsdorf geborenen Musiker Hugo Türpe. Er war Solist auf dem Cornet a pistons - einem der Trompete ähnlichen Blechblasinstrument. In vielen Städten, so im Vorläuferorchester der Berliner Philharmonie, sei Türpe Solist gewesen. Teichmann, der selbst seit über drei Jahrzehnten im Posaunenchor der Kirchgemeinde spielt, ist durch eine ältere Dame auf den Musiker aufmerksam gemacht geworden. Das Leben Türpes habe ihn nicht mehr losgelassen. Er habe geforscht, das Geburtshaus ausfindig gemacht und Türpes künstlerischen Werdegang anhand von Archivmaterial verfolgt. "Der Komponist hat intensiv und ausschweifend gelebt, viele Konzerte gegeben und wurde meist wie ein Star regelrecht gefeiert. Höhepunkt seines Schaffens war das Jahr 1882", schildert Teichmann. 1891 sei Türpe in Diethensdorf laut Totenschein an Tuberkulose und Erschöpfung im Alter von 32 Jahren gestorben.
Bereits 2002 hatte Teichmann im Stadtmuseum eine Ausstellung über den Mohsdorfer Künstler organisiert. Auch heute noch ist im Museum der Stadt eine Vitrine mit Erinnerungsstücken aus dem Leben Türpes zu sehen, sagt Teichmann.
Sein Wunsch sei es gewesen, anlässlich des 150. Geburtstages des Musikers ein Werk von ihm aufzuführen. "Türpe hat mehrere Stücke geschrieben, aber leider ist nur die ,Fantasia' noch erhalten", weiß Teichmann. Die Noten dafür hätten 97 Jahre unbeachtet in einem Privatarchiv gelegen. Der amerikanische Trompetenvirtuose und Musikwissenschaftler Edward H. Tarr, der bei Bad Säckingen lebt, habe diese Noten kürzlich für eine Fassung für Cornet a pistons oder Trompete mit Klavierbegleitung bearbeitet.
"Die beste Möglichkeit für die Aufführung nahe am 150. Geburtstag Türpes war das Burgstädter Stadtfest", so Teichmann. Er hat deshalb das Salonkonzert in Zusammenarbeit mit der Kantorin der Kirchgemeinde Jana Hiller und dem Landesposaunenwart Jörg-Michael Schlegel vorbereitet. Türpes "Fantasia Apassionata" werden am Samstag Thomas Mc Coll von der Erzgebirgischen Philharmonie Aue und die Burgstädter Pianistin Swetlana Botchevarova spielen. Vom Landesposaunenwart sind außerdem noch virtuose Tuba-Etüden zu hören, auch solistische Klavier- und Blechbläserstücke ergänzen das Programm.
Service
Das "Salonkonzert á la 1882" wird am Samstag um 14.30 Uhr im Kirchgemeindehaus Burgstädt, Kantor-Meister-Straße2b, aufgeführt.

