Feuerwehrleute haben gestern etwa 600 Quadratmeter Dachfläche des Stadtbades vom Schnee geräumt.
Foto: Andreas Truxa
Schneemassen kommen Chemnitz schon jetzt teuer zu stehen
Winter belastet bereits jetzt die Stadtkasse über Gebühr
Chemnitz. Der kalendarische Winter hat noch nicht einmal angefangen, da steht schon fest, dass die Chemnitzer mit dem Etat für den Winterdienst in diesem Jahr nicht hinkommen: Wie der Stadtreinigungsbetrieb ASR gestern bestätigte, belaufen sich die Mehrkosten auf mindestens eine Million Euro. "Zwei Millionen Euro, die die Stadt wie für jedes Kalenderjahr zum Räumen und Streuen zur Verfügung gestellt hat, reichen in diesem Ausnahmewinter bei weitem nicht", erklärte ASR-Sprecherin Beate Bodnar gestern. "Bereits jetzt steht fest, dass der Winterdienst über drei Millionen Euro kostet."
Der Betrag von zwei Millionen Euro scheint schon in "normalen" Wintermonaten knapp bemessen: Erst vor einer Woche wies der Stadtrat noch einmal 1,1 Millionen Euro nachträglich für den vergangenen Winter an, als die Kosten den Etat ebenfalls überstiegen.
Auch im Rathaus macht man sich darauf gefasst, dass der Winter die Stadt teuer zu stehen kommt. "Es wird Mehrkosten geben", sagte Bürgermeister Berthold Brehm. Die entstünden beispielsweise durch die Beauftragung von Dachdeckerfirmen mit der Beräumung von Dächern. "Das kostet ebenso wie die zusätzlichen Einsätze der Mitarbeiter des ASR und die zusätzlichen Materialien wie Sprit und Salz."
Berufsfeuerwehr und Fremdfirmen waren unterdessen auch gestern im Einsatz, um die Schneelast von Flachdächern zu räumen, die die Statik gefährden. Nachdem vorige Woche sämtliche Sport- und Schwimmhallen geschlossen waren, sind nach Angaben der Stadtverwaltung inzwischen einige Gebäude vom Schnee befreit und wieder geöffnet, darunter die Schwimmhalle am Südring, ebenso Schwimmhalle, Boxhalle und Kleine Halle im Sportforum. Wieder nutzbar sind auch die Sporthallen der Georg-Weerth-Schule, der Grundschule Sonnenberg und der Diesterwegschule. "Bis auf jene Turnhallen, die wie am Kepler-, André- und Agricolagymnasium im Schulgebäude liegen, bleiben ansonsten alle Turn- und Schwimmhallen aus statischen Gründen weiter zu", so Brehm. "Unsere Feuerwehrleute werden bis zum 24. Dezember weiter räumen."
Ob hingegen der Ikea-Möbelmarkt heute wieder öffnen kann, stand am gestrigen Abend noch nicht fest. "Wir werden das am Dienstag früh entscheiden", sagte Marktleiter Jens Schiechel nach einem Rundgang mit einem Statiker. Ikea ist seit Mittwochmittag wegen der Schneelasten auf dem Dach geschlossen. "Sicherheit steht für uns an erster Stelle", so Schiechel. Das Unternehmen musste wegen der Zwangsschließung Umsatzausfälle verkraften - laut Schiechel eine "große sechsstellige Summe".
Ganz andere Sorgen gibt es bei der CVAG: Der Schnee in den Nebenstraßen macht den Busfahrern zunehmend zu schaffen. "Unsere Fahrer stehen kurz vorm Herzinfarkt, wenn sie die Busse durch zugeparkte Straßen steuern, haarscharf vorbei an Autos, die auf der Fahrbahn abgestellt wurden, weil die Parkbuchten zu sind", schilderte Sprecher Stefan Tschök. Die zugeparkten Straßen seien derzeit das größte Problem der Verkehrsbetriebe. So werde eine Strecke aus Sicherheitsgründen gar nicht mehr angefahren: "Statt der Albrechtstraße wählen wir eine Umleitung." Und "nur noch mit erhöhtem Pulsschlag" lenken die Fahrer ihre Busse durch die Moritzstraße im Stadtzentrum, wo zahlreiche Fahrten der Linien 62 und 72 verkehren.
Unterdessen will der ASR heute einen neuen Versuch starten, die Nebenstraßen zu räumen. Nachdem der erste Anlauf gescheitert war, weil Anwohner ihre Autos nicht weggefahren hatten, hat das Tiefbauamt extra Parkflächen frei gemacht: an der Stollberger Straße/Südring, Paul-Bertz-Straße und Zietenstraße sowie am CFC-Stadion.

