Philipp Hartewig und Sorniza Marinova wurden am Montag auf Schloss Bellevue von Bundespräsident Joachim Gauck für ihr Engagement für Demokratie ausgezeichnet.
Foto: Claudia Schiebel
Schüler erhalten Auszeichnung vom Bundespräsidenten
Joachim Gauck ehrt junge Menschen für demokratisches Engagement
Lichtenau. Weil sie sich in besonderer Weise für Demokratie und eine lebenswerte Gesellschaft einsetzen, sind am Montag zehn sächsische Schüler bei einem Demokratiefest auf Schloss Bellevue von Bundespräsident Joachim Gauck ausgezeichnet worden. Die Jugendlichen sind Moderatoren des Programms "Mitwirkung mit Wirkung" und halten Seminare für Schülerräte an Schulen. Darin vermitteln sie Gleichaltrigen, wie sie das Schulleben mitgestalten können.
Zu den Ausgezeichneten gehört der 17-jährige Philipp Hartewig aus Auerswalde. Neben seiner Beratertätigkeit ist er Schülerrat am städtischen Gymnasium Mittweida und sitzt zudem im Landesschülerrat. Für ihn sei es eine große Ehre gewesen, beim Bundespräsidenten geladen zu sein, sagte er am Montag. Er lobte vor allem dessen Redekünste und Authentizität.
Schülerrechte als gut bewertet
Die Grundlagen für die Schülermitbestimmung in Sachsen bewertet Hartewig als positiv. Im Vergleich zu anderen Bundesländern gebe es im Freistaat mehr Mitspracherechte. Als Beispiel nannte er die Schulkonferenz, in der neben dem Schulleiter, vier Eltern und vier Lehrern auch vier Schülervertreter sitzen. In dem Gremium könnten diese genauso wie die erwachsenen Mitglieder über Themen wie Stundenpläne, Wanderungen, Schulfeste und Ähnliches mitentscheiden. Allerdings fehle es in einigen Schulen an der geeigneten Ausstattung sowie an speziellen Räumen, in denen der Schülerrat arbeiten könne, klagt Philipp Hartewig. Zudem könnte die Struktur der Schülerräte und die Mitarbeit seitens junger Leute in vielen Schulen noch verbessert werden.
Auf die Frage, warum Schüler überhaupt mitbestimmen sollten, wo doch Lehrer sich schon für bessere Schulbedingungen einsetzen, sagte Hartewig: "Es sind die Schüler, die lernen müssen. Und sie können auch am besten einschätzen, wo man Dinge verbessern muss."
Neben dem Auerswalder Schüler ist auch die Chemnitzerin Sorniza Marinova (24) mit nach Berlin gefahren. Die Studentin der Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität war früher viele Jahre Schülersprecherin am Philipp-Melanchthon-Gymnasium in Bautzen. Genau wie Philipp Hartewig berät sie Schülersprecher in der Region und wurde ebenso dafür ausgezeichnet. "Es war sehr interessant, die Rede des Bundespräsidenten zu hören. Er kann einen richtig inspirieren", so Sorniza Marinova.
Gauck fordert mehr Mitsprache
Joachim Gauck eröffnete das Demokratiefest am Vormittag mit einer Ansprache im Schlosspark und diskutierte anschließend mit Jugendlichen über Demokratie und Beteiligung. "Unsere Demokratie braucht junge Menschen, die ihre Initiative und ihren Willen dafür einsetzen, um unser Zusammenleben verantwortungsvoll mitzugestalten. Dafür müssen wir ihnen Räume und Gelegenheiten bieten", betonte der Bundespräsident. "Ich wünsche mir, dass überall dort, wo Erwachsene auf die Gestaltung der Lebenswirklichkeit junger Menschen Einfluss haben, sie diese in Entscheidungen einbeziehen und ihnen Möglichkeiten zur Mitwirkung einräumen."
Das Bündnis "Demokratie Erleben", das sich für mehr Beteiligung und Verantwortungsübernahme junger Menschen einsetzt, hat das Fest ausgerichtet. Es wurde von der Körber-Stiftung, der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und dem Förderprogramm "Demokratisch Handeln" 2010 gegründet.

