Spaziergänger Rolf Teichmann schaut sich an der Salzstraße eine der 424 verbliebenen "echten" Chemnitzer Gaslaternen an.
Foto: Andreas Seidel
Stadträte wollen Gaslaternen retten
Ausrangierte Leuchten sollen denkmalgerecht eingelagert werden -Stadtwerke rechnen mit erhöhtem Aufwand
Chemnitz. Chemnitz. In Chemnitz sollen keine ausrangierten Gaslaternen mehr verschrottet werden. Das sieht ein Beschlussantrag vor, dem die Mitglieder des Kultur- und Sportausschusses bereits zugestimmt haben. Auf Initiative der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen soll die Stadtverwaltung beauftragt werden, prüfen zu lassen, ob die restlichen historischen Gaslaternen der Stadt nach ihrer Ausmusterung denkmalgerecht eingelagert und bei der Gestaltung historischer Plätze und Straßen sowie Parkanlagen wieder verwendet werden können.
Dazu müssten die Stadtwerke, denen Chemnitz seine Straßenbeleuchtung Ende 2002 verkauft hat, der Stadt abgebaute Gaslaternen kostenfrei überlassen. So steht es in dem Beschlussantrag, dem der Stadtrat noch zustimmen müsste. Zur nächsten Kulturausschusssitzung wollen die Bündnisgrünen ihren Antrag noch ergänzen. "Wir wollen, dass Chemnitzer Bürger ausgemusterte Gaslaternen kaufen können", sagte Fraktionschefin Petra Zais am Dienstag. Sie könne sich einen Preis zwischen 200 und 300 Euro pro Laterne vorstellen, der auf jeden Fall über deren Schrottwert liegen müsse. Dazu sollten die neuen Besitzer eine Echtheits-Urkunde erhalten. "Die letzten zehn Laternen könnten für einen besonderen Zweck versteigert werden", will Zais dem Stadtrat vorschlagen.
Grund des Vorstoßes sind Zahlen, die Baubürgermeisterin Petra Wesseler Ende 2009 genannt hatte. Demnach wurden in Chemnitz seit Anfang 2003 von den Stadtwerken 108 Gaslaternen demontiert und verschrottet. Außerdem seien 742 solcher Laternen durch elektrische in "Gaslaternen-Optik" ersetzt worden. Von den etwa 23.000 Chemnitzer Straßenleuchten seien derzeit noch 424 "echte" Gaslaternen.
Die Stadtwerke widersprechen dem Vorwurf, Gaslaternen verschrottet zu haben. "Noch verwertbare Teile werden bereits jetzt zur Ersatzteilgewinnung eingelagert", versichert Unternehmenssprecherin Carola Wulst. Wenn der Stadtrat ein komplettes Einlagern wünsche, müsse er die Art und Weise definieren und Geld für die Kosten bereitstellen. Das vollständige Ablösen der Gaslaternen sei noch nicht geplant, so Wulst. Solche Laternen könnten nur dort wieder neu aufgestellt werden, wo bereits ein Gasnetz vorhanden ist, warnt sie.


