TU-Rektor Klaus-Jürgen Matthes TU-Rektor Klaus-Jürgen Matthes.

Foto: TU-Chemnitz

Streit um Hörsaal-Namen an der TU

Rektorat benennt Raum an der Universität nach einem Chemnitzer Unternehmen

Chemnitz. Chemnitz. Die Umbenennung eines Hörsaals der TU Chemnitz hat zum Disput zwischen Studentenrat und Uni-Leitung geführt. Das Rektorat hatte den Raum N 114 im neuen Hörsaalgebäude an der Reichenhainer Straße in "Niles-Simmons-Hegenscheidt-Hörsaal" umbenannt.

Anlass ist offenbar, dass der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens der Universitätsstiftung in der vergangenen Woche 175.000 Euro gespendet hatte. Unter den Studenten würden nun Stimmen laut, Unternehmen würden sich in die Hochschule einkaufen, teilte der Studentenrat am Dienstag in einer Presseerklärung mit. Der Vorgang schaffe einen "Präzedenzfall, da Unternehmen aktiv in die Lehre eingreifen", heißt es weiter.

Die Studentenvertretung stößt sich allerdings auch an dem Umstand, dass die Maßnahme nicht angekündigt worden war. Scheinbar über Nacht sei der Hörsaal umbenannt worden; "weder die Studentenschaft noch die Hochschulgremien wie der Senat oder die Öffentlichkeit" seien informiert worden.

TU-Rektor Klaus-Jürgen Matthes wies die Vorwürfe am Dienstag zurück, räumte aber auf Anfrage der "Freien Presse" ein, dass die Umbenennung des Hörsaals und die 175.000-Euro-Spende an die Universitätsstiftung in Zusammenhang stehen. "Anlass für die aktuelle Benennung des Hörsaales N 114 in ,Niles-Simmons-Hegenscheidt-Hörsaal' ist eine Großspende dieses Unternehmens an die Stiftung Technischen Universität Chemnitz", erklärte Matthes in einer schriftlichen Antwort. Im Rahmen des 175-jährigen Jubiläums der TU sei ein Konzept entwickelt worden, das auch Anreize für Großsponsoren bieten soll, fügte Matthes hinzu. Die Niles-Simmons-Hegenscheidt-Gruppe unterstütze die TU seit Jahren "in großem Maßstab" und habe dies auch für die Zukunft zugesagt. "Damit ist Niles Simmons beispielgebend für die gesamte Region", ergänzte Matthes.

Ein Unternehmen als Namensgeber für einen Hörsaal gab es laut Rektor an der TU bisher nicht. Weitere Benennungen seien aber denkbar, so Matthes. An anderen Hochschulen sei dies bereits gängige Praxis. "Wir würden uns freuen, wenn weitere Unternehmen die Universität in vergleichbarem Maße unterstützen und somit eine entsprechende Hörsaal-Benennung legitimieren würden", erklärte er. Die Entscheidung liege immer beim Rektorat. Dies bestätigt auch das Sächsische Wissenschaftsministerium. "Die Umbenennung eines Hörsaales liegt im alleinigen Zuständigkeitsbereich der Universität", sagte eine Ministeriumssprecherin am Dienstag auf "Freie Presse"-Anfrage. Nach Uni-Angaben erfolgt die Benennung von Hörsälen seit 1986. Namensgeber waren bisher Wissenschaftler, die an der Hochschule gelehrt und geforscht haben.

Die Niles-Simmons-Hegenscheidt-Gruppe hat unter wechselnden Besitzern und Bezeichnungen eine mehr als 175-jährige Tradition in Chemnitz. Das Unternehmen ist unter anderem spezialisiert auf die Produktion von Maschinen zur Herstellung von Eisenbahn-Radsätzen und beschäftigt am Standort Chemnitz rund 380 Mitarbeiter.

 
erschienen am 10.05.2011 ( Von Swen Uhlig )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
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  • 11.05.2011
    08:48 Uhr

    HorrorBeetle: Die Namensgebung eines Hörsaales ist nun wirklich kein großes Politikum. Eher ist der TU zu gratulieren für die Umbennung so eine große Summe Geld einzustreichen.
    Das zeigt, dass die TU Geld braucht, es nicht vom Bund/Land/Kommune erhält und sich aber zu helfen weiß.

    0 2
     
  • 10.05.2011
    20:59 Uhr

    ZwischenDenZeilen: Würde die Stiftung mit den 175.000 Euro einen neuen Hörsaal / Bibliothek/Mensa/ ... errichten, fände ich die Namensgebung gerecht fertigt. Im Neuen Hörsaalgebäude stecken m.W. jedoch AUSSCHLIESSLICH Mittel von Stadt, Land, Bund und/oder EU.

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