Ein Monteur justiert bei Samp eine Wälzfräsmaschine. Dem Standort des italienischen Konzerns in Altchemnitz droht das Aus.
Foto: Andreas Truxa/Archiv
Traditionsbetrieb vor dem Aus
Italienischer Konzern will Tochterunternehmen in Chemnitz schließen -Jobs auch bei Zulieferern gefährdet
Chemnitz. Chemnitz. Die weltweite Wirtschaftskrise fordert ihr erstes prominentes Opfer in Chemnitz. Die italienische Samp-Gruppe hat auf ihrer Internet-Seite bekannt gegeben, mehrere Niederlassungen in Italien, Frankreich und Deutschland aufzugeben. Betroffen davon ist auch der Produktionsstandort des Konzerns an der Marienberger Straße in Chemnitz. Damit steht einer der ältesten Werkzeugmaschinen-Hersteller der Stadt vor dem Aus. Über 100 Mitarbeiter zittern um ihre Jobs.
Laut der Ankündigung wollen die Italiener ihre Produktionskapazitäten an nur noch einem europäischen Standort konzentrieren - nahe dem norditalienischen Bologna. Neben Chemnitz seien von der Entscheidung drei weitere Produktionsstätten betroffen. "Die Restrukturierungsmaßnahme sichert die Produktion am Standort Europa und gewährleistet einen qualitativ hochwertigen Service gegenüber den Kunden weltweit", heißt es in der Erklärung des Konzerns.
Nach Informationen der "Freien Presse" ist die Entscheidung offenbar direkte Folge der Weltwirtschaftskrise. In Chemnitz fertigt der Konzern Bearbeitungsmaschinen für Zahnräder. Hauptkunden des Unternehmens sind Automobilhersteller bzw. deren Zulieferer. Wegen des weltweiten Absatzeinbruchs bei Autos ist die Nachfrage nach Maschinen drastisch zurückgegangen. Seit August vergangenen Jahres ist die Chemnitzer Belegschaft teilweise in Kurzarbeit.
Der Chef der IG Metall in Chemnitz, Mario John, sagte am Montag, die Gewerkschaft werde alles versuchen, was zur Rücknahme der Konzern-Entscheidung führen könnte. "Wir waren bisher davon ausgegangen, dass das Instrument Kurzarbeit ausreicht, um die Saure-Gurken-Zeit zu überstehen", fügte er hinzu. Das Unternehmen sei aber wohl zu stark von den Autoherstellern abhängig. John bestätigte Informationen, wonach mit dem Aus für den Maschinenbauer auch Jobs bei Lieferanten in der Region gefährdet sind. "Samp in Chemnitz hat eine geringe Fertigungstiefe", erklärte er. Er schätzt, dass neben den 100Samp-Beschäftigten noch einmal 300 Arbeitsplätze bei Zulieferern auf der Kippe stehen.
Auch die Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft CWE hat Kontakt zur Geschäftsführung des Unternehmens in Altchemnitz aufgenommen. Derzeit könne man aber noch wenig tun, sagte CWE-Chef Ulrich Geissler, "Wir können erst beurteilen, ob es noch Möglichkeiten der Einflussnahme gibt, wenn wir die Einzelheiten der Pläne der Konzernführung wissen", erklärte er.
Das Unternehmen war 1900 als Maschinenfabrik Hermann Pfauder gegründet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auf dem Betriebsgelände die Zahnschneide-Maschinenfabrik Modul. Zu DDR-Zeiten produzierten dort rund 1750 Beschäftigte Maschinen, die hauptsächlich ins Ausland gingen. Auch zuletzt hatte das Unternehmen eine Export-Quote von bis zu 80 Prozent.


