Foto: Tilo Steiner

"Wir wollen den Umbau selbst stemmen"

Chemnitz hat eine finanzielle Beteiligung des Freistaates am CFC-Stadionbau abgehakt

Chemnitz. Gut 70 geladene Fans und Vereinsmitglieder des Fußball-Drittligisten waren gekommen, um das Vorhaben mit dem Stadtoberhaupt und Vereinspräsident Mathias Hänel lebhaft zu diskutieren. Vertreter der erst vor wenigen Tagen gegründeten Arbeitsgemeinschaft (AG) Fan-Interessen präsentierten ein 15-Punkte-Programm mit Wünschen und Verbesserungsvorschlägen. Die größte Sorge der CFC-Anhänger betrifft die Fan-Halle unmittelbar neben dem Stadion, die dem Neubau weichen soll.

"Die Halle ist nicht nur ein Treff vor und nach den Spielen, sie wird fast täglich genutzt. Wir wollen, dass nach dem Abriss ein Neubau mit der bisherigen Fläche von 400 Quadratmetern entsteht", sagte AG-Mitglied Ronny Licht. Wie Vereinschef Hänel versicherte, ist eine neue Fan-Halle geplant. "Auch für uns ist unstrittig, dass es adäquaten Ersatz geben muss", erklärte Hänel. Konkrete Pläne lägen jedoch noch nicht vor.

Das neue Stadion soll 23 Millionen Euro kosten und ausschließlich mit städtischen Mitteln finanziert werden. "Die Stadträte werden am 5. Oktober über das Projekt entscheiden. Diese Entscheidung wird ihnen nicht leicht fallen. Wir haben diese 23 Millionen nicht übrig - aber das wird nie der Fall sein", erklärte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Sie sei von dem Konzept der CFC-Führung zum Stadionumbau hundertprozentig überzeugt und forderte die Fans auf, zur Oktobersitzung der Stadträte zahlreich zu erscheinen. "Wenn wir in Chemnitz Profifußball wollen, geht das nicht ohne Beteiligung der Kommune. Es gibt in Deutschland keinen Fußballclub, der sportliche Aufstiege geschafft und gleichzeitig noch einen Stadionbau gestemmt hat", so die OB.

Auf die Frage, ob sie noch Hoffnung auf eine finanzielle Beteiligung des Freistaates an dem Projekt hat, antwortete Ludwig: "Wir sind in Chemnitz besser beraten, auf unsere Ressourcen zu bauen und zu versuchen, den Umbau aus eigener Kraft zu schaffen."

Ludwig ging auf die gestrige Berichterstattung der "Freien Presse" zum Sportforum ein. Stadtsportbund-Präsident Heiko Schinkitz hatte in dem Beitrag eine grundlegende Sanierung des Hauptstadions inklusive des denkmalgeschützten Marathonturmes bis zum Jahr 2015 verlangt. Die OB erteilte diesen Forderungen eine Absage. "Ich freue mich, dass der Stadtsportbund hinter dem CFC-Stadionprojekt steht. Wenn wir aber jetzt noch das Sportforum modernisieren sollen, ist das ein Totschlag-Argument. Dann beginnen wir, uns gegenseitig zu überfordern", betonte Ludwig. Die Stadt engagiere sich in vielerlei Hinsicht für den Sport. "Wir bauen demnächst für fünf Millionen Euro eine Sporthalle an der Jahnkampfbahn auf dem Sonnenberg, die Sportmittelschule befindet sich gerade im Bau, und wir haben eine Reihe von Turnhallen saniert", so Ludwig.
 

 

Die Pläne für das grundlegend zu erneuernde Stadion sehen einen Baubeginn für den Sommer kommenden Jahres vor. Ende 2013 soll die modernisierte Arena eingeweiht werden. Der Umbau erfolgt bei laufendem Spielbetrieb.

Für den Bau und die Betreibung ist folgendes Modell vorgesehen: Die städtische Wohnungsgesellschaft GGG übernimmt als Bauherr die Erbpacht des Stadiongeländes vom CFC. Die Stadt bürgt für den Baukredit, überlässt das neue Stadion dem CFC zur Nutzung und zahlt die Miete an die GGG in Höhe von geschätzten zwei Millionen Euro pro Jahr.

Dem Projekt zustimmen muss neben dem Stadtrat auch die Landesdirektion als Aufsichtsbehörde, weil die Stadt bis 2014 keinen ausgeglichenen Haushalt haben wird.

 
erschienen am 06.08.2011 ( Von Mario Schmidt)
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 06.08.2011
    17:40 Uhr

    ts09112: Die Diskussion zum Stadionumbau unmittelbar vor Saisonbeginn zu beginnen, war taktisch mehr als unklug. Damit wurde auf die Mannschaft ein Druck ausgeübt, den sie im Augenblick (?) nicht standhält. Von der Spielanlage ist die Mannschaft nicht schlecht, aber sie verkrampft (siehe heute in Heidenheim). Warum wurde nicht erst zur Winterpause begonnen???? Die Mannschaft hätte freier in die Saison starten können. Bleibt die Frage: Wer hat ein Interesse daran, daß das Stadion 2013 fertig wird und nicht erst 2014????
    Im Jahr 2013 sind OB-Wahlen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

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