Alkohol am Steuer. Laut Verkehrspsychologe Bernhard Schlag von der TU Dresden lehnt dies die Mehrheit der Bevölkerung ab.Foto:
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Alkohol am Steuer: Tendenz geht zurück
Polizei hat mehrfach in diesem Monat im Annaberger Raum alkoholisierte Autofahrer gestoppt
Annaberg-Buchholz. Nahezu regelmäßig gehören Meldungen über das Fahren unter Alkoholeinfluss zum Bestandteil der Presseinformationen der Polizei. Allein in der zweiten Augustwoche brachte es der Rapport für den Annaberger Raum auf fünf Einträge. Zwischen 1,78 und 2,04 lagen die dabei ermittelten Promillewerte. Dabei spricht das Verkehrsrecht schon ab einem Wert von 1,1 Promille von der absoluten Fahruntüchtigkeit. "Dies fällt dann in den Straftatbereich, woraufhin der Führerschein sichergestellt und der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben wird", erläutert Frank Fischer, Pressesprecher der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge, die auch für den Revierbereich Annaberg zuständig ist.
"Die Tendenz bei den Alkoholfahrten ist fallend", ergänzt Fischer. Seinen Worten zufolge ging im Direktionsgebiet die Zahl der Trunkenheitsfahrten von 1863 (2009) auf 1518 (2010) zurück. Im Revierbereich Annaberg sank sie in den beiden Jahren von 209 auf 135. Aber auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit alkoholisierten Autofahrern sei laut Fischer rückläufig. 449 Vorkommnissen im Jahr 2009 stehen 405 im vergangenen Jahr gegenüber. Davon entfielen 2010 insgesamt 48 auf den Altkreis Annaberg und vergangenes Jahr nur noch 31. Eine jetzige Häufung könne saisonal bedingt sein. "Allerdings werden Alkoholsünder zu allen Tageszeiten festgestellt", betont Fischer. Promilleüberprüfungen bildeten daher auch weiterhin den Schwerpunkt der Verkehrskontrollen.
"Seit 15 Jahren sinken die Zahlen in Deutschland. Dies liegt vor allem an der veränderten gesellschaftlichen Haltung zu Alkohol und zum Fahren. Heute ist sogar eine Mehrheit der Bevölkerung für null Promille", sagt Bernhard Schlag, Leiter der Professur für Verkehrspsychologie an der Technischen Universität Dresden. In mehr als 30 Büchern und 200 Veröffentlichungen hat sich der 61-Jährige unter anderem auch mit Sicherheitsfragen und dem Verhalten von Verkehrsteilnehmern beschäftigt.
"Ursache für Trunkenheitsfahrten sind eine fehlende Trennung zwischen Alkohol und dem Fahren. Wiederholungsgefahr besteht besonders, wenn der Alkohol zur Gewohnheit geworden ist und derjenige sich nur schwach selbst kontrollieren kann", so Schlag weiter. Während Frank Fischer von keiner konkreten Zielgruppe von Alkoholsündern sprechen will - "Unabhängig von Alter und Geschlecht" - seien aus Sicht des Wissenschaftlers vor allem Männer gefährdet: "Sie sind stark überrepräsentiert. Bei Medi- zinisch-Psychologischen Untersuchungen wegen Alkohol am Steuer sind 90 bis 95 Prozent Männer." Um dem Problem allgemein entgegen zu wirken, sei laut Schlag vor allem eine stärkere soziale Kontrolle mit klaren Grenzen wichtig.
"Über die Jahre hinweg ist die Zahl der Alkohol-Unfälle in Deutschland stetig gesunken und damit auch die Zahl der Opfer", verweist Jörg Petzold, Sprecher des zum Auto Club Europa (ACE) gehörenden Kreisverbandes Erzgebirge auf das Ergebnis einer Langzeitstudie. "Allerdings entsprechen 440 Verkehrstote nach Alkohol-Unfällen im Jahr 2009 noch immer zehn Prozent der Gesamtzahl aller Verkehrstoten. Gleichzeitig muss darauf hingewiesen werden, dass die Zahl der Drogen- und Medikamentendelikte im Straßenverkehr um mehr als das Dreifache angestiegen ist", sagt Petzold, der sich ebenso für ein generelles Alkoholverbot ausspricht.


