Die Nachbarinnen Christa Nier (70), Ines Legler (53) und Evelyn Rohde (44) (v. l.) haben Freude am gemeinsamen Bemalen von Ostereiern.
Foto: Jan Görner
Der Osterbaum in "voller Blüte"
In vielen Gärten der Region leuchten derzeit bunte Osterbäumchen
Kleinrückerswalde. Kleinrückerswalde. Die Idee zu diesem etwas anderen Osterbaum kam den drei Frauen während einer Fernsehsendung. "Dort wurde über die Tradition der Osterbrunnen in Franken berichtet", erinnert sich Evelyn Rohde: "Das hat uns gut gefallen, und so kam der Gedanke, ob wir nicht etwas Ähnliches auch hier im Erzgebirge machen könnten." Gesagt - getan: Zusammen mit ihren Nachbarinnen Ines Legler und Christa Nier begann die 44-Jährige, Ostereier zu bemalen. Und damit das Ganze auch die richtige Wirkung erzielt, wurde der imposante Pflaumenbaum im Garten der Rohdes zum Osterbaum gekürt.
Seinen Einstand gab das fleißige Eiermal-Team vor zwei Jahren mit 354 kleinen Kunstwerken, verziert mit Farbe und Fantasie und mittels ausgeklügelter Techniken auch in den oberen Astpartien dekorativ platziert. "Unsere Männer waren erst dagegen", sagt Evelyn Rohde und lacht: "Aber mittlerweile haben sie die technische Seite des Schmückens im Griff. Und zur Belohnung gibt es jedes Mal einen Grillabend."
In diesem Jahr sind es schon 730Eier, die in den Zweigen des Obstgehölzes hängen. Die Schäden, die vor ein paar Wochen der Sturm angerichtet hat, sind längst beseitigt: Ihm fielen 42 Eier zum Opfer. "Wir haben gleich am nächsten Tag wieder mit Malen angefangen", erinnert sich Ines Legler, die zum "harten Kern" der Kleinrückerswalder Eiermalerinnen gehört. Sie schätzt neben dem fröhlich-bunten Ergebnis des Fleißes vor allem die Geselligkeit, die beim Malen entsteht: "Das fördert die gute Nachbarschaft und den Zusammenhalt untereinander. Und es bringt den Leuten, die vorbeigehen, viel Freude."
Etwa 700 Eier schmücken den Pflaumenbaum.
Foto: Foto: Jan Görner
Längst ist der Osterbrauch für Evelyn Rohde zu einer Ganzjahresbeschäftigung geworden, wie sie schmunzelnd einräumt: "Ich habe schon beim Plätzchenbacken im Advent die Eier für Ostern ausgepustet. Und wenn wir im Sommer in der Laube beim Malen sitzen, denkt mancher Besucher, er hat sich in der Jahreszeit geirrt", sagt die dreifache Mutter, deren Kinder sich von ihrer Begeisterung gern anstecken lassen und auch schon eigene Kreationen beigesteuert haben.
Damit die farbigen Kunstwerke ihre Zeit im Freien ohne Probleme überstehen, werden sie mit Acrylfarbe bemalt. Bei den Mustern sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Da gibt es Streifen und Punkte, Blumen und Hasen und sogar Miniaturlandschaften - jedes Stück ein Unikat, wie Evelyn Rohde stolz betont. Allerdings bringt dieser Anspruch auch Probleme mit sich: Es sei immer schwerer, geeignete Vorlagen für neue Muster zu finden, sagt die 44-Jährige, die in diesem Jahr eine ganze Eierserie mit Früchten und Gemüse gestaltet hat. Damit stets genügend Material zum Bemalen vorhanden ist, gibt es bei den drei Familien häufig Gerichte mit Eiern.
Auch Nachbarn und Freunde liefern "Rohlinge", wie die ausgepusteten Eier bei den drei Osterprofis heißen. Davon werden auch künftig jede Menge benötigt: Schließlich haben die Frauen den Ehrgeiz, ihren besonderen Osterbaum nächstes Jahr mit 1000 Eiern zu schmücken.


