Roy Messig (l.) verpasste dem Hasenstall von Jens-Uwe Reuther einen lila-weißen Anstrich. Die Herolder Nachbarn sind auch sonst jederzeit zu Scherzen aufgelegt.
Foto: Patrick Herrl
"Dr Klimperheini" und sein etwas anderer Hasenstall
Jens-Uwe Reuthers Karnickel-Haus erhält vom Nachbarn einen besonderen Anstrich - Herolder haben noch weitere Späße auf Lager
Herold. Herold. Der Fußball weiß immer wieder sonderbare Geschichten zu erzählen - sowohl auf als auch abseits des Rasens. Im Falle von Jens-Uwe Reuther und seinem Nachbarn Roy Messig erhält des Deutschen liebstes Hobby sogar eine irrwitzige Note. Denn Reuthers Hasenstall bekam unverhofft einen besonderen Anstrich verpasst: in den Vereinsfarben des FC Erzgebirge Aue.
"Ich bin eigentlich gar kein Fußballfan. Doch mein Nachbar ist oft nicht ansprechbar, wenn Aue als Verlierer vom Platz gehen muss", erklärt Jens-Uwe Reuther. Er schlägt eher ruhigere Töne an: "Ich habe zwar früher das Tor gehütet, wechselte aber wegen anhaltender Erfolglosigkeit lieber zur Musik." 2008 zog es ihn und seine Familie in eine Häusersiedlung nach Herold.
"Wenn Aue aufsteigt, dann streich ich dir deinen Hasenstall lila-weiß", versprach Roy Messig noch voller Euphorie nach einem kurz zuvor erlebten Heimsieg der Veilchen im Erzgebirgsstadion. "Den Kaninchen ist doch egal, wie das Ding aussieht", antwortete Reuther mit trockenem Humor. "Ich habe ja auch nie für möglich gehalten, dass er seine Ankündigung wahrmacht."
Doch wer A sagt, muss auch B sagen - und tatsächlich ließ der Nachbar seinen Worten Taten folgen. Er scheute weder Kosten noch Mühen, um den gewöhnlichen Hasenstall in einen waschechten FCE-Fanclub zu verwandeln. Ganz heimlich, versteht sich. "Ich war total perplex und staunte nicht schlecht, als ich zu meinem 40. Geburtstag in den Garten trat und mich keine alten gelben Paneelen-Bretter, sondern dieses lila-weiße Schmuckstück hinterm Schuppen anstrahlte", erinnert sich Reuther an jenen 17. Mai. Obendrein gab es fürs Geburtstagskind noch ein Trikot mit der Nummer 40 samt Aufschrift "Dr Klimperheini aus'n Arzgebirg". Denn so nennen die Nachbarn ihren Musiklehrer liebevoll.
Ungewöhnliche Präsente sind in der Runde gang und gäbe. Bereits zu Roy Messigs 40. Geburtstag im vergangenen Jahr ließ sich Jens-Uwe Reuther etwas Besonderes einfallen. Er überreichte dem Betreiber eines Sportgeschäfts die etwas andere CD "60 Jahre Republik - 40 Jahre Roy Messig". Solche kleinen Scharmützel gehören in der Clique einfach dazu. Selbst die Kinder der beiden Familienväter bleiben von derlei Ideen nicht verschont. Unter anderem hat Reuthers 14-jährige Tochter Anabell von ihrem Nachbarn schon FCE-Unterwäsche zum Geburtstag bekommen. Auch der dritte Anwohner im Bunde bleibt von den Späßchen nicht verschont. "Er hat gerade erst akribisch und auf den Millimeter genau seinen Garten vermessen. "Der nächste Scherz wird also nicht lange auf sich warten lassen", droht Messig schmunzelnd.
Und die Spaßvögel gehen noch einen Schritt weiter. "Inzwischen sprechen wir nicht mehr von Hasenstall, sondern von Mannschaftsheim. Das ist mittlerweile mit zwei Dreierteams belegt - zumindest bis zum Ende der Grassaison", sagt Reuther. Da verwundert es kaum, dass der 40-Jährige seinen Karnickeln besondere Namen zuteilt. "Nach ihrer Bestimmung", sagt der Herolder: "Heilige drei Könige" oder "Buß- und Bettag". Wann ihre Tage gezählt sind, weiß nun jeder.
Der aktuelle "Kader" im Hasenstall musste noch nicht dran glauben. Auch das Fell der Hasen blieb bislang von Farbe verschont. Doch wer weiß, was Roy Messig noch im Schilde führt, falls es dem FCE gelingt, nächste Saison die Klasse zu halten. "Wenn Aue in der zweiten Liga bleibt, lasse ich mir auf jeden Fall wieder etwas einfallen. Schließlich muss ich die lila-weißen Flächen in der Nachbarschaft weiter ausbauen", so der 41-Jährige.


