Das Dokumentarstück "Human Checkpoint" regte stark zur Diskussion an. Anja Bilabel (links) und Angelika Sieburg berührten das Publikum mit ihrer ausdrucksstarken Spielweise.
Foto: Carsten Wagner
Israel geht Besuchern "unter die Haut"
Annaberger Ensemble versprach lange Nacht des Gegenwartstheaters - und hielt das Versprechen
Annaberg-Buchholz. Annaberg-Buchholz. Fast schien es, als hätte das Eduard-von-Winterstein-Theater genau den Gedanken aus der israelischen Tourismuswerbung aufgegriffen: "Faszinierend buntes Israel" heißt es dort. In Annaberg-Buchholz wurde bunt am Samstag abwechslungsreich interpretiert. Die lange Nacht des Gegenwartstheaters setzte man unter das Motto: "Gelobtes Land". Alles drehte sich um Israel und Palästina.
Am Anfang des Abends stand das Oratorium "Israel Shalom" für Chor, Solisten, Sprecher und Orchester. Unter der Leitung von Kantor Reimar Hartig spielten und sangen die Kantoreien Sehma und Buchholz. Danach stand die erste Wahlrunde auf dem Programm. Insgesamt wurden fünf szenische Lesungen geboten. Die künstlerische Leitung hatte Annelen Hasselwander inne. Die freie Dramaturgin sprang sogar selbst als Akteurin ein.
"Dieser Abend ist natürlich eine Herausforderung gewesen." Für die Proben selbst hatten die Schauspieler eine Woche Zeit. "Ich denke, auch für sie war es reizvoll. Einerseits sind es Lesungen und anderseits sind die Aufführungsorte nicht alltäglich", so Hasselwander. Selbst Maske und Theatercafé wurden nämlich zu Spielstätten. Eine zweite Herausforderung: Die eigentlich abendfüllenden Stücke mussten auf 45 Minuten gekürzt werden. Trotzdem galt es, den roten Faden zu behalten und die Handlung nicht zu verfälschen. Gelungen!
Auf der Vorbühne zeigten Udo Prucha, Marie-Louise Gottberg, Maria Richter, Gerd Schlott, Sven Zinkan und Peggy Einfeldt das Stück "Sallah" von Ephraim Kishon. Unterhaltsamer und witziger kann eine szenische Lesung kaum sein. Udo Prucha, der für die Regie verantwortlich zeichnete: "Ich liebe Events im Theater. Doch so etwas habe ich noch nie mitgemacht. Wir hatten bereits Spaß während der Proben." Ein bisschen schien es, als konnten sich sein Team und er richtig austoben. "Alle haben nur so gesprüht vor Ideen. Ich musste einfach nur aus dem Vollen schöpfen." Das Publikum honorierte diesen Ideenreichtum mit viel Beifall. Besucherin Peggy Löbner-Claus: ",Sallah' war sehr unterhaltsam. Ich habe extrem viel gelacht."
Das Kontrastprogramm auf der Vorderbühne war "Human Checkpoint" von Lia Nirgad. Das Gastspiel des Wu-Wei-Theaters Frankfurt, schnürte sicherlich dem einen oder anderen im Publikum die Kehle zu. "Die Inszenierung war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, doch das Thema ging unter die Haut. Es ist verrückt, wie willkürlich dort an der Grenze vorgegangen wird", sagte Beate Maneck aus Drebach, die mit ihrem Mann Uwe im Winterstein-Theater war. "Wir sind keine Theatergänger", verrieten die Manecks. Doch Israel sei ein hochinteressantes Thema und deshalb wollte man sich den Abend nicht entgehen lassen. Das fanden auch Pauline Morgenroth aus Cranzahl und ihre Freundin Annegret Matschke aus Falkenbach. "Wir werden im Sommer nach Israel fahren und der Abend sollte uns etwas darauf einstimmen."


