Ärzte im Schockraum Ulrich Wandt, Chefarzt der Abteilung für Unfall- und orthopädische Chirurgie im Erzgebirgsklinikum Annaberg, sowie Thomas Scholz, Chefarzt Anästhesie und Operative Intensivmedizin (r.), im so genannten Schockraum. Dieser dient zur Notfallerstbehandlung von Schwerverletzten.

Foto: Brigitte Streek

Optimale Versorgung bei schweren Verletzungen

Erzgebirgsklinikum Annaberg erhält Zertifikat als regionales Traumazentrum - Engmaschiges Netzwerk ermöglicht rasches Reagieren bei Unfällen

Annaberg-Buchholz. Annaberg-Buchholz. Es gibt Situationen, da geht es um Minuten: Vor allem bei Unfällen sind es oft Schwer- und Schwerstverletzte, die so schnell wie möglich ärztliche Hilfe benötigen. Immerhin erleidet pro Jahr jeder zehnte Bundesbürger statistisch gesehen einen Unfall, zum Glück in der Mehrzahl nicht lebensbedrohlich.

"Bei uns sind es zwischen 50 und 100 Patienten pro Jahr, die akut lebensbedrohlich verletzt werden", nennt Ulrich Wandt, Chefarzt der Abteilung für Unfall- und orthopädische Chirurgie im Erzgebirgsklinikum Annaberg (EKA), einige Zahlen. Das Klinikum hat die Voraussetzungen geschaffen, um diese Verletzten künftig noch besser versorgen zu können und ist jetzt als regionales Traumazentrum (Trauma: Verletzung) zertifiziert worden.

Mit der Einteilung in lokale Traumazentren für die Basisversorgung, regionale Zentren zur Versorgung von Schwerverletzten und zusammen mit überregionalen Einrichtungen, die sich um Problemfälle kümmern, soll so schnellstmöglich entschieden werden, wohin ein Patient im Notfall gebracht wird.

Außerdem wird dadurch die Versorgung der Patienten optimiert, wie Ulrich Wandt erklärt: "Ein Beispiel dafür ist ein so genanntes Traumahandy, über das der diensthabende Chirurg rund um die Uhr für die Mitarbeiter des Rettungsdienstes, die Notärzte und auch die Hausärzte erreichbar ist. So können erste Absprachen getroffen und der Verletzte noch schneller versorgt werden."

Dies ist nach den Worten des Mediziners besonders in ländlichen Regionen wie dem Erzgebirge von großer Bedeutung, wo die Wege für Rettungsdienst und Notarzt oft länger sind als beispielsweise in Großstädten. Damit vergeht für den Patienten mehr Zeit, bis er eine optimale medizinische Versorgung bekommt.

Die zertifizierten Traumazentren sind zu regionalen Netzwerken zusammengeschlossen. Das Zentrum im EKA gehört zum Traumanetzwerk Westsachsen. "Wir arbeiten außerdem eng mit der Unfallchirurgie der Universitätsklinik Leipzig zusammen", sagt Ulrich Wandt. Dorthin werden besonders schwere Fälle überwiesen - etwa Patienten mit Organversagen oder Wirbelsäulenverletzungen.

Zum Glück komme dies relativ selten vor - den meisten Unfallopfern kann vor Ort geholfen werden, so der Chefarzt. Die Zertifizierung als regionales Traumazentrum bedeutet unter anderem, dass Schwerverletzte nach genau definierten Kriterien aufgenommen und behandelt werden müssen. Hinzu kommt die entsprechende technische Ausstattung und die Verpflichtung zur Weiterbildung des medizinischen Personals.

"Ab diesem Jahr können die Berufsgenossenschaften bei Arbeitsunfällen verlangen, dass bestimmte Verletzungen ausschließlich in Traumazentren behandelt werden", macht Wandt einen weiteren Vorteil des Zertifikates deutlich. Außer im EKA gibt es regionale Zentren unter anderem in Aue und in Kirchberg bei Zwickau.

 
erschienen am 02.03.2010 ( Von Petra Kaden )
 
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